Donnerstag, 29. Januar 2009

17 Rauma 28.01.2009 61 08 N 021 26 E

17 Rauma 28.01.2009 61 08 N 021 26 E

Es ist Mitternacht, der 28. Januar geht gerade zu Ende. Gestern abend waren
wir von Mäntyluoto eben schnell nach Rauma gefahren, wir haben verholt sagen
wir, denn es hat von Pier zu Pier nur drei Stunden gedauert.
Wir waren heute an Land, mussten Pussis kaufen und schwarze Schokolade,
ausserdem waren wir in der Bibliothek.
Als ich auf der Hinfahrt der Fahrerin erzähle, dass gestern abend drei
Lotsen an Bord waren, weil sie alle das Schiff sehen wollten, berichtet sie
uns, dass unser Schwesterschiff Reinbek vor einer Woche sehr gross in der
Zeitung stand in Pori und Umgebung, weil es das grösste Containerschiff ist,
das jemals in Mäntyluoto im Hafen war. Im Bericht wurde die Reinbek im
Detail vorgestellt, mit Text und Bildern, auch vom Kapitän. Die Eilbek wurde
nur einmal erwähnt. (T.Schweiger im Eisbärfilm: Der erste ist der erste und
der zweite ist ein niemand). Zwei Wochen eher und wir wären in Finnland
berühmt gewesen, quatsch.
Heute morgen wurde anderthalb Stunden gelöscht, vorhin war 84 Minuten laden,
morgen frueh um sechs Schiffszeit gehts weiter.
Ich ändere gerade unsere Route von Gävle nach Kiel-Holtenau ab. Unser neuer
Kapitan ist früher u.a. in der Ostsee Fähre gefahren, da kennt er sich z.B.
im Bereich Archipelago (=Gegend um die Alandinseln) sehr gut aus und wir
koennen im Vergleich zur alten Route etwas abkürzen.
Im Navtex steht nichts besonderes heute, nur dass ein Stromkabel beim
norwegischen Leuchtturm Skaalnes 49_50_N 006_15_E ins Wasser gefallen ist
und dass das Boot Elin mit einer Person vermisst gemeldet wurde, 58_42_N
009_28_E. Wetter hier: bedeckt, vier Grad, Wind 2 Bft aus ESE, Luftdruck
sehr langsam ansteigend, es liegt Schnee. Auf der Wetterkarte von heute
morgen ist noch ein Tief über Ostschweden, also da, wo wir morgen nachmittag
hinfahren, ca. acht Stunden rechnen wir fuer die Überfahrt, dürften also
morgen spätabends da sein. Freue mich ueber alle Emails, schreibt an:
bridge@eilbek.wappen-reederei.de
nnnn

Samstag, 24. Januar 2009

16 Kieler Förde

24.01.2009 18.47 Uhr 54_30_N 010_19_E

Es liegt wieder eine Nordseereise hinter uns, die Baltische Rundfahrt
beginnt. Der Lotse von der Bruederschaft NOK II/Kiel geht gleich von Bord,
naechster Hafen Klaipeda mit eta morgen 18 Uhr.
In Bremerhaven hat das Schiffskommando gewechselt, Kapt. Wolters
(Kopp-ab-Knut) ist nun der Schiffsfuehrer. Wir haben in Bremerhaven auch
noch was anderes neu bekommen, wird ne andere Email bald.
Viel hat sich nun schon geaendert mit dem neuen Kapitaen, aber backbord ist
noch links und steuerbord rechts, fuer mich jedenfalls, der Wachmatrose hat
heute vormittag in Brunsbuettel* nach meiner Ansage "starboard alongside"
angefangen, die backbordwinde klarzumachen, sowas habe ich noch nie erlebt.
Nach Klaipeda haben wir einen neuen Hafen in unserer Rotation: Maentyluoto
(Der Hafen von Pori/Finnland).
* Brunsbuettel kommt nach dithmarschen-wiki wohl von einem Mann, der der
Braune genannt wurde und vom altdeutschen Wort buttel/buettel = Siedlung.
Zu gewinnen gabs bei dieser Frage leider nichts, aber wer mir als erstes
richtig schreibt, was eine Minipussi ist, hat beste Chancen, von mir eine zu
erhalten, wenn ich wieder da bin.

nnnn

Mittwoch, 21. Januar 2009

15 Schelde - Tees 21 01 2009

15 Nordsee Schelde-Tees 21.01.2009

Sehr muede bin ich als mich einer um zwanzig vor sechs anruft obwohl ich gar
nicht so lange auf war, um kurz vor Mitternacht loeste mich der Zweite
achtern ab, um Mitternacht habe ich ein paar Eintragungen im Logbuch auf der
Bruecke gemacht, kurz darauf war ich schon in meiner Kammer.
Als ich meine Wache beginne ist noch ein Seelotse an Bord, dafuer muesste
ich eigentlich den Reedereiseemannspullover anhaben, habe ich aber nicht
heute, ist mir auch egal. Um 06.42 Uhr steigt der Lotse in ein kleines
Miniboot, das ihn zum naechsten Schiff bringt ("Atlantic Companion", 292m
lang, Frau Wachoffizier). Um sieben Uhr beginnt unsere Seereise in Position
51_46_N 003_09_E. Seit Segeln (=Losfahren) Antwerpen haben wir schon 88
Meilen zurueckgelegt.
Weiter gehts durch ein relativ vielbefahrenes Gebiet: Zum Verkehr
Engl.Kanal-Deutsche Bucht kommt hier noch alles dazu, was Maas oder Schelde,
also Rotterdam, Antwerpen usw. aufm Zettel hat. Zuerst fahre ich nun
zwischen zwei Tankern durch, die uns entgegenkommen, Passierabstand zu
beiden jeweils eine Meile, kein Problem, direkt danach ist aber Kurs aendern
angezeigt, wir wollen nach Ostengland hoch, ausserdem kommen da noch mehr
Schiffe usw.
Um halb acht kann ich fruehstuecken gehen, der Kapitaen bleibt solange auf
der Bruecke.
Als es hell wird, bin ich laengst zurueck. Das Wasser ist so glatt, sieht
gar nicht nach Nordsee aus. Wuerden nicht die Bohrinseln ueberall rumstehen
wuerde ich meinen wir haetten uns verfahren. Sieben Passagiere haben wir an
Deck: Ein paar Voegel fahren auf einem Container mit, der sehr weit vorne
steht. Bei Kursen von 006 bzw 358 sind wir quasi diesmal Vogelfaehre nach
Norden.
Das Schiff sieht relativ voll aus, wir haben 778 Standardcontainereinheiten
an Bord (1600 waere Maximum). Davon sind 370 Zwanzigfusscontainer (6 Meter
lang), Container doppelter Laenge machen den Rest aus. Anmerkungen:
-ETA Teesport heute abend 20 Uhr Ortszeit/21 Uhr MEZ.
-GM' = 2,88 Meter
-Fuer die Zeilenumbrueche bei twoday.net kann ich nichts.
-Bilder habe ich letztens hochgeladen. Bei meinem studivz-Profil sind das
die Bilderordner 16 & 17.
nnnn

Samstag, 10. Januar 2009

14 Klaipeda 10 01 2009

14 Klaipeda 10 01 2009

Gestern abend hatte ich Wache von 18 bis 24 Uhr, um 23 Uhr kam der Lotse an
Bord (ca. 55_44_N 021_00_E), um kurz nach Mitternacht haben wir angelegt.
Papierkram, Routen radieren, einzeichnen, GPS_Geraete programmieren usw hat
bis kurz vor zwei gedauert, sodass ich heute morgen sehr muede war, als es
um sechs losging mit Ladungswache. In Klaipeda hat unser Charterer ein
Terminal gekauft, das der See ca. 2 Meilen naeher ist als die Pier wo wir
sonst immer waren. Bei der alten ist naemlich der Hafen hinter unserem
Liegeplatz zu Ende.
Die Hafenarbeiter beim heutigen Terminal waren ungut, zumindest die Lascher,
deren Job es u.a. ist, lange und kurze sogenannte Laschstangen mit
Gewindehalterungen zu verbinden und festzudrehen. Zum einen haben die sich
von vornherein so bloed angestellt, dass ich denen die ganze Zeit meinen
Wachmatrosen als Aufpasser gegeben habe, zum anderen haben sie versucht,
einige mittige Container nur halb gelascht zu lassen. Darueberhinaus handeln
sie teilweise sinnfrei. Als ich einem zeige, wo ich ihm schon 2 lange
Laschstangen hingelegt habe, die er so mitnehmen kann, laeuft er schnell
weg.
Selbst wenn die gerade nichts machen muessen, nerven sie: Unser Schiffchen
ist 169 m lang. Auf 12 m Laenge wird gerade geladen, denn so lang ist ein 40
FussContainer, und da muessen wir manchmal hin- und herlaufen, um zu sehen,
dass alles so hinkommt, wie es muss. Genau auf diesen 12 Metern aber steht
das knappe Dutzend Heinis einem zielgenau im Weg rum, unglaublich, zumal man
sich ja sowieso nicht unter schwebender Ladung aufhalten soll.
Was solls, um kurz vor elf ist unser Lotse an Bord, kurz nach elf legen wir
ab. Die Festmacher sind uebrigens in Klaipeda immer dieselben Nasen, die man
schon bei der Ladungshandhabung ertraegt. Wir sehen im Hafen verschiedene
Eisschollen rumtreiben, die sind alle duenn und unterschiedlich, mal so wie
Frischhaltefolie aufm Wasser, mal Pfannkucheneis (das heisst echt so), mal
zusammengeschobenes Eis, mal Eis mit Schilf drin usw. Auf einer laenglichen
Scholle stehen ganz viele Voegel, wie die mit Ihrem Untersatz da unterwegs
sind (Mittags-Vogelfaehre nach Norden) erinnert das irgendwie an
Rangierarbeiten in Maschen.
Spaeter sehen wir noch beim Rausfahren sehr viel Qualm, Rauch und Dampf im
Klaipedaer Industriegebiet, Energieeffizienz gibts hier noch nicht, und
viele Schiffe, u.a. Tanker. Einer von denen wurde Greenpeaceopfer,
jedenfalls steht da in leuchtendgelben Buchstaben Forest Crime an der
Aussenwand. 11.48 passieren wir die Molen, kurze Zeit spaeter geht der Lotse
von Bord, 12.00 Beginn Seereise. Wir fahren nun mit wirtschaftlicher
Geschwindigkeit nach Finnland, denn den Reiseabschnitt nach Rauma
veranschlagen wir mit einem knappen Tag, am 13. sollen wir aber erst
anlegen. Wetter: bewoelkt, 1026 mbar, Westwind 3 Bft, 5,5 Grad (plus).

p.s. es geht mir gut & seht mal nach, was brunsbuettel bedeutet, das muss
ich wissen, antwort an bridge@eilbek.wappen-reederei.de
nnnn

Donnerstag, 8. Januar 2009

13 Bremerhaven 08 01 2009

13 Bremerhaven 08 01 2009

Dieser Hafenanlauf hat mir nicht so gut gefallen. Die Hafenwache war etwas
stressig aber gerade noch so im Rahmen: Um viertel vor sechs kommt der
Weckanruf, zuerst gehe ich dann auf die Bruecke, um dem Chiefmate die Meilen
aufzuschreiben. Die braucht er nach jeder Ankunft und die konnte ich diesmal
nicht schaetzungsweise vorbereiten, waere zu ungenau geworden. Temperatur um
Mitternacht war plus zwei, um viertel vor zwoelf minus 2, fuehlt sich hier
in Bremerhaven wegen der Feuchte und des Windes aber immer kaelter an
(Stichwort Windchill bzw. Windchill-Faktor).
Um sechs gehts dann mit der Ladung los, loeschen und laden steht hier aufm
Programm, zwei Uhr mittags soll Abfahrt sein. Das hoert sich gut an, dann
kann ich nach meiner Wache in Ruhe die naechste Route fertig machen - habe
ich gedacht. Denn trotz der vielen Vorgaenge und Vorfaelle waehrend meiner
Wache - Lukendeckel auf- und zumachen, Stopper oeffnen/schliessen,
Ladeplanaenderung wegen verbogener Schachtfuehrung, versehentliche
Zerstoerung von Laschmaterial beim Loeschen (Standardtwistlock abgerissen),
usw. ist unser Schiff schon anderthalb Stunden eher fertig. Kroenung ist,
dass ich wegen eines Unfalls zur Gangway gerufen werde, wo schon Chiefmate,
Kapitaen, Wachmatrose und Hafenarbeiter in englisch aneinander vorbeireden.
Angeblich sollten wir Notarzt und Rettungswagen angefordert haben, haben wir
aber nicht. Spaeter finde ich raus, dass in der Rettungsleitstelle Schiffe
verwechselt wurden.
Jedenfalls soll um 12.30 schon unser Lotse an Bord kommen, da muss ich mal
schon vorher auf die Bruecke, in den GPSGeraeten und den elektronischen
Seekarten muss u.a. die neue Route eingestellt werden, die Papierseekarten
kommen in die richtige Reihenfolge, alte Route weg, neue Route rein und ein
Passageplan muss her. Auch das kann man im Voraus nur teilweise vorbereiten,
nicht komplett. Etwas erschwert wird einem sowas wenn man es eilig hat,
durch Nebensaechlichkeiten: Die Sonne blendet, die Bildschirme sind noch auf
Nachteinstellung, Funk- & Maschinenalarme kommen, was ausm Brueckendrucker
kommt, kann man nun gar nicht mehr lesen, ausnahmsweise moechte der Kapitaen
etwas zu einer Route wissen, wir haben ein zusaetzliches Besatzungsmitglied
an Bord und ausnahmsweise soll eine Achterleine vorzeitig eingeholt werden.
Frischwasserbunkern ist auch noch gar nicht fertig usw.
Letztendlich klappt doch noch alles, ich uebergebe dem zweiten Offizier mal
wieder unseren "Staffelstab" Funkgeraet und habe Feierabend. Diesmal liegt
Waesche waschen und umziehen an, das ganze zuegig, denn Mittagessen gibts
nur bis halb eins und es ist schon 12.24 Uhr.
Mein neues Mobilfunktelefon habe ich leider nicht bekommen heute. Aber einen
neuen SPIEGEL wenigstens. Ansonsten ist jetzt Pause mind. Viertelstunde aufm
kleinen Zeiger wie man hier sagt und ich freue mich darauf, dass meine Wache
heute abend wohl im ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Kanal sein wird.
nnnn

Mittwoch, 7. Januar 2009

12 Doggerbank 07.01.2009 teesport nach brv.

Wir haben Nordwind, Windstaerke 3, voellic ok. Leider bringt der Schwell
unser Schiff mit einem GM' von 4,01m !!!! tuechtig ins Rollen, plusminus 15
Grad. Die Ballastwassertanks sind leer, aber wir haben kaum Ladung an deck,
denn erst in Bremerhaven wird vollgeladen. Das ist nur fuer Deckwaschen gut,
an die Lukendeckel kommt man ja sonst nicht ran. Heute morgen um kurz nach
sieben haben wir in Teesport abgelegt, morgen frueh sind wir wohl um zwei
beim Weserlotsen.
nnnn

11 Gävle Silvester Neujahr

Es ist Silvester, nachdem wir schon Heiligabend in der Schleuse von
Antwerpen waren, wollten wir gerne in Rauma liegenbleiben bis Neujahr, aber
das war uns nicht vergönnt, denn als wir fertig waren mit Laden/Löschen
sollten wir mittags um zwei Finnland fix verlassen. In Rauma war
Kolbenziehen, wir fuhren mithin in den ersten Stunde der Seepassage (=
ungefaehr die Fahrt von einem Lotsen zum anderen Lotsen) mit reduzierten
Geschwindigkeiten. Dennoch sind wir nun schon abends in Schweden, wo wir vor
der Kueste ankern. Wer nach Gävle will, muss in westlicher Richtung durch
eine Einfahrt, in der nur eine schmale Fahrrinne namens Holmuddsrännan fuer
Seeschiffe zur Verfuegung steht. Die hat kaum Windschutz, ist 60 Meter breit
und darf mit ueber 25m breiten Fahrzeugen nur bei Tageslicht durchfahren
werden. Nach internationalem Standard waere eigentlich fuer Schiffe von
ueber 20 m Breite generell Schluss, aber hier akzeptiert man Schiffe bis 30
Meter. (Eilbek ist also nur 2,80m unter Maximum).
Ich hoere nun auf Ankerwache Musik, aber nicht zu laut, denn die
Wetterwarnungen von Kanal 24 will ich auch verstehen ab
Windgeschwindigkeiten von 15m/sec ist glaub ich die Einfahrt auch zu, genau
15m/sec sind fuer morgen angesagt, allerdings spaeter abnehmend. Kurz vor
Mitternacht kommt der Zweite Maat, der mich zur Silvesterfeier schickt, ich
wollte eigentlich noch Feuerwerk ansehen, begebe mich aber doch nach unten,
wo ich nach Neujahrsglückwünschen mit Handeschütteln ausm Fenster sehe. Von
See eine „Silvesterküste“ zu sehen ist schon toll, allerdings ist die Sicht
von der Brücke besser, da gehen wir dann alle hin, jedenfalls alle die wach
sind, es gibt auch Besatzungsmitglieder, die Neujahr trotz
Lautsprecherdurchsage verschlafen. Sekt kann man auch auf der Brücke
trinken, aber um ein Uhr ist auch gut gewesen, obwohl man da eigentlich ja
Neujahr nochmal feiern könnte - nach UTC.

Am Neujahrstag fahren wir mit Lotsen nach Gävle. Es ist in der
Holmuddsrännan, bei der viele kleine bunte Häuser und Bootshäuschen am Ufer
stehen, ein bisschen so, als ob man mit einem Schiff durch Bullerbü fährt.
Nördlicher Wind heisst Seitenwind von Steuerbord, vom Kartentisch aus sieht
man sehr gut, wieviel wir vorhalten in dieser engen Gasse, um geradeaus
durchzufahren. Ich habe Kai das gesagt, dummerweise fotographiert er lieber
von der Backbordseite, von wo es gar nicht spektakulär aussieht. Anlegen
ist etwas anders und langwieriger als sonst, denn im Hafenbecken ist Eis
aufm Wasser, zwar nicht dick, aber genug, um uns anderthalb Meter von der
Pier wegzuhalten, als es schliesslich durchs Anlegen zusammengeschoben ist.
Mit der Ladung passiert heute nichts, wir koennen den Freifall testen. Dabei
wird das Boot erst am Kranhaken eingeklinkt und erst wenn alles ok ist,
Bootsgeschirr stramm usw. wird im Boot die Freifallvorrichtung betätigt. Das
Boot rutscht dann wenige cm runter, bleibt aber am Kran hängen. So wird das
inzwischen getestet, weil in den letzten Jahren sehr viele Unfälle bei Tests
von Freifallbooten passierten. Ich wollte nun computerbasiertes Training
machen, der Laptop dafür ist aber schon weg, also Routenplanung,
Kartenarbeit etc. Kai und seine Freundin fahren in die Stadt. Ich fahre
nicht mit, denn was soll ich in Gäavle? Vor acht Jahren war ich schonmal da,
heute ist ein Feiertag und um kurz nach drei wirds schon dunkel (14.41 Uhr
Sonnenuntergang!). Der brennende Bock von Gävle hätte mich wohl
interessiert, aber nur deswegen nehme ich den weiten Weg nicht auf mich.
nnnn

Freitag, 2. Januar 2009

10 Rauma 30. - 31.12.2008

10 Rauma 30. - 31.12.2008


Es begab sich aber zu der Zeit, dass eine Order ausging vom Charterer msc,
dass alle Kapitaene sich aufmachen, ein jeder zu seinem Zielhafen.
So begab sich auch Kapitaen Ishchenko nach dem Orte Rauma in Westfinnland
mit seinem angetrauten Schifflein, das war voll beladen. Das wollte ich
letztens schon schreiben, ist irgendwie untergegangen, der Text, nicht das
Schiff. Und ohne Internetzugang kann ich zur Internetseite neue Eintraege
schicken, aber alte nicht aendern. Die Weihnachtszeit ist ja nun
mittlerweile abgeschlossen, aber die Geschichte mit den Adventskalendern
moechte ich Euch noch erzaehlen:
Den ersten Adventskalender habe ich auf der Bruecke an die Wand geklemmt, er
passt ziemlich genau zwischen Kleiderhakenbrett und Deckenverkleidung. Nach
Musterliste wurde denn beim Oeffnen vorgegangen, Kapitaen am ersten
Dezember....ich am vierten usw. Dazu musste das betreffende
Besatzungsmitglied jeweils auf die Bruecke kommen, wobei ich natuerlich
vorher nicht gesagt habe warum, sondern nur es sei wichtig. Der erste
Offizier fragte mich, ob ich den Kalender aus einem am Tag zuvor gelieferten
Karton genommen haette. Auch der Chief wusste, dass zahlreiche
Adventskalender an Bord kamen: Die gab es als Geschenk von der Reederei, mit
einem schoenen Motiv - ein Containerschiff und ein Gastanker vor der
Hintergrundkulisse Hamburgs - sind das echt tolle Kalender, die als
Sonderanfertigung fuers Kontor hergestellt wurden. Sehr schwierig war es
allerdings fuer uns Deutsche, dem philippinischen Offizier klar zumachen,
dass die Anfang Dezember an die Besatzung verteilt werden sollten, es sonst
zu spaet sei. Wir habens nicht geschafft, man haette die Dinger nicht in den
Karton packen sollen, der mit "nicht vor dem 24.12. oeffnen" beschriftet
ist. Spaeter konnten wir aber den Kapitaen ueberzeugen, das war am zweiten
Dezember. Wir haben uns dann intensiv bemueht, Sinn und Gebrauch der
Kalender zu vermitteln, weiss ich aber nicht, ob das erfolgreich war. Einige
wollten die Kalender wegen des Bildes und der Schokolade darin als Geschenk
fuer ihre Familie benutzen und mithin nicht oeffnen, so waren die Kalender
natuerlich nicht gedacht. Einer dachte gar, wenn er dem Kapitaen einen Tag
nach Weihnachten zeigt, dass alle Tuerchen noch zu seien, bekaeme er eine
Belohnung. (!!!!)
Mitte Dezember hatten wir in Rauma Besuch von der finnischen
Seemannsmission. Die Frau hatte mir auf meine Frage nach guenstiger
Alternative zu Taxifahrten geantwortet, dass die Mission selbst uns fahren
koenne. Wir muessten nur anrufen und es ginge nur bis 5 Uhr nachmittags,
das Auto sei sowieso von der internationalen Seeleutegewerkschaft gesponsert
worden. Auf dieses Angebot kam ich nun am 30.12. zurueck, 13 Uhr Schiffszeit
wurden wir (2 Matrosen, Kai, seine Freundin und ich) abgeholt mit einem
kleinen Seat Kombi, zum Glueck ist die Fahrtstrecke bis in die Innenstadt
nicht so lang. Drei Stunden Aufenthalt bis zum Ruecktransport machten wir
aus, die Matrosen gingen Richtung Klamottenlaeden und wir direkt zum
Riesensupermarkt K-citymarket, den wir schon vom letzten Mal kannten. Weil
Kai seiner Freundin dann Altrauma (Weltkulturerbe) zeigen wollte, trennten
wir uns voruebergehend. Ich machte mich auf zum Schiffahrtsmuseum. Auf dem
Weg dahin erfuhr ich im Touristeninformationsbuero, dass ebendas im Winter
nur Sonntags oeffnet. Stattdessen besuchte ich einen Spielzeugladen, von wo
mir die Lego Technic Riesenplanierraupe am besten in Erinnerung geblieben
ist. Das Geraet macht einen so kraeftigen Eindruck, dass man damit bestimmt
einen gefrorenen Acker pfluegen kann. Und: Allein die Packung ist schon so
gross wie eine halbe Europalette. Dann wars Zeit fuer den Rueckmarsch ueber
die mit Splitt versehenen Eisgehwege. Bei einem Friseurgeschaeft wunderte
ich mich ueber die merkwuerdige Ladeneinrichtung, Theken mitten im Raum,
Anzeigen mit Reihenfolgenummern. Erst dann erkannte ich, dass es eine
Apotheke war. Eigentlich eine gute Idee, dass man in Apotheken grosse
Bilder von gluecklichen Menschen ins Schaufenster stellt und im Laden
Sitzplaetze fuer die wartenden Kunden hat. Auch eine Tankstelle habe ich mir
noch angesehen, denn da war von weitem nur EIN Spritliterpreis zu erkennen,
was mich stutzig machte. Anscheinend ist das einfach so, dass nur mit dem
Benzinpreis (95e) geworben wird. Super (98e), Diesel und Minieinkaufsladen
gibt es aber auch. Der Unterschied zu deutschen Tankstellen: Man kann hier
nicht frei im Laden rumlaufen, sondern muss einem Einbahnweg mit Schranken
folgen. Dann war ich noch im Spirituosengeschaeft, (einfallsreicher Name:
Alco) und in der Tiefgarage des Supermarkts fuer einen Ueberblick ueber die
Autos hier. Ich musste naemlich noch etwas Zeit ueberbruecken bis zu unserer
Verabredung im Cafe. Auch untertage, wo es hell ist im Gegensatz zur
Erdoberflaeche, wieder ein Unterschied zu Deutschland: Sieht man da eine
Parkflaeche voller Autos, sind vielleicht 2 davon dreckig. Guckt man sich
die Fahrzeuge hier in Finnland an, sind nur 2 davon sauber. Im Cafe waren
die Heissgetraenke nicht mehr kostenlos, aber wenn man seinen Becher
nachfuellen tut, kostet das nur 40 Cent. Mit dem Seat gings dann wieder
zurueck, mit einer anderen, tollen Fahrerin, zum Glueck wieder ohne
Polizeikontrolle.

nnnn

Freitag, 26. Dezember 2008

09 Teesport / Bremerhaven 26.12.2008

Teesport, GB 54_36_N 001_09_W 26.12.2008 13.17 Uhr Ortszeit

Es ist kurz nach 2 Schiffszeit, um 3 werden wir unseren Lotsen bekommen &
hier verschwinden. Wir queren dann die Nordsee wieder, fahren ueber die
Doggerbank direkt nach Bremerhaven. 363 Meilen sind es vom
PD-Container-terminal hier bis zur Stromkaje in Bremerhaven, also ca. 21
Stunden.
Heute habe ich schon den ganzen Tag sehr gute Laune, weiss auch nicht warum,
vielleicht weil ich ausschlafen konnte, d.h. bis 06.30 Schiffszeit.
Chief, Kai und 2 Matrosen sind heute an Land gegangen. Haette ich heute
etwas Bargeld von einem Sicherheitsinspektor bekommen als Entschaedigung
fuer meinen Verzicht auf eine Stange Zigaretten - hypothetisch - meine ich,
dann haette ich Kai ebendas mitgeben koennen, damit er mir etwas in Teesport
kauft. Allerdings haette das nichts suesses sein duerfen, denn davon habe
ich mittlerweile glaub' ich genuegend bis zum Februar. Letztens hatte ich
mir etwas in Rauma gekauft, zu Weihnachten gab es ebenfalls einiges vom
Reedereikontor und gestern haben die Matrosen, die zur Seemannsmission
waren, auch noch Geschenke mitgebracht, fuer jeden einen Karton voll. Mache
ich gleich erstmal auf, aber ich wette eine Stange Zichten, dass da u.a.
Schlickersachen drin sind. Uebrigens eine engl. Seemannsmission, die
deutsche hat von mir schon 2 Emails bekommen, sich aber nicht hoeren lassen.
Am Fluesschen Tees ist schoenes Wetter, es ist trocken, blauer Himmel, nur
kleine Woelkchen und kaum Windbewegung. Unsere rote Kauffahrteiflagge des
vereinigten Koenigreichs, bei der der Union Jack nur etwa ein viertel der
Flagge ausmacht, haengt eigentlich nur lustlos runter & baumelt am
Flaggenstock hinter unserer Bruecke. Der ganze Hafen macht irgendwie einen
ausgesprochen friedlichen Eindruck, nicht das hier sonst sonderlich viel los
waere, aber irgendwie passiert hier heute nichts (ausser bei uns an Deck,
aber da sehe ich nun nicht hin). Langsam drehen sich hier Windmuehlenfluegel
und das Hafenradar, dahinter sieht man einen Hartmanngastanker & noch weiter
weg, in Richtung Atomkraftwerk meine ich, ist eine merkwuerdige Bruecke zu
sehen. Entweder ist die voruebergehend auf Stelzen gestellt worden, weil
ihre echten Beine renoviert werden, oder das Ding ist nur als Rahmen
gedacht, an dem Schwebefaehren hin und herfahren.
nnnn
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