Donnerstag, 28. Mai 2009

26 Montreal 28.05.09

26 S.L.   28.05.2009    45_36_N
   073_30_W

 

Vorgestern haben wir morgens in Montreal angelegt. Noch am
selben Tag bin ich nach meiner Wache mit der Seemannsmission in die Stadt
gefahren. Unser Kapitaen war auch mit. Er hatte es auf einen kleinen Laptop
abgesehen, ich wollte Turnschuhe kaufen. Beides hat geklappt. Auf den riesigen Flachbildschirmen
im Elekronikladen lief ein Film, der unterschiedliche Szenen aus Kanada
enthielt. Besonders beeindrucken finde ich das „Eisrudern“. Da
skullen eine Handvoll Leute ein Boot, das breiter ist als ein Ruderboot, wie
wir es aus Deutschland kennen, aber schmaler als ein Ruderkutter. Wo sie
unterwegs sind, schwimmt viel Eis aufm Wasser. Stellenweise ist es so dick,
dass die Leute ihr Boot uebers Eis ziehen & schieben.

In Montreal selbst war es sehr warm. Die Stadt ist zwar
nordamerikanisch, fuehlt sich aber europaeisch an. St.Catherines ist die
Haupteinkaufsstrasse & da waren wir unterwegs, in verschiedenen
Sportlaeden, aber auch in „La mansion de Press“ oder so. Die
meisten Zeitungen & Zeitschriften da sind natuerlich franzoesisch, einiges
ist in englisch & selbst ein italienisches Automagazin habe ich gesehen,
aber was zu lesen in Deutsch nicht. Im „Les 3 Brasseriers“, einer
Mischung aus Brauhaus Schacht 4/8 & Staendiger Vertretung konnten wir gut
einkehren, frisches Bier und duenner Flammkuchen sind eine gute Kombination. Im
Levi’s Store habe ich Briefe von zufriedenen Kunden aus den dreissiger
Jahren gelesen, einer sass damit versehentlich ueber 100 Tage in Havanna im
Knast & hat sich ueber die Unversehrtheit seiner Jeans so gefreut wie ueber
seine Freilassung. Im Taxi auf der Ruecktour haben wir geraetselt, was wohl der
Satz auf den Nummernschildern bedeutet. Inzwischen weiss ichs, „ich
erinnere“. Das steht also auf jedem Fahrzeug, das in der Provinz Quebec
zugelassen ist. Keine Ahnung was das soll. Bevor wir an der Bruecke ueber den
St.Lorenzstrom vorbeifuhren, passierten wir das „Gewerbegebiet von Gotham
City“, jedenfalls sehen einige Gebaeude da genau so aus, wie die
Industriebauten in Batmanfilmen. Der Vergnuegungspark im Strom oeffnet nur am
Wochenende, also immer dann, wenn wir schon wieder weg sind.

Gestern war Loeschen nur von 8-16 Uhr angesagt und Laden von
21-23 Uhr. Heute soll es wohl erst nachmittags losgehen, aber weil eine
Containerbruecke ihren Ausleger ueber unser Schiff gesenkt hat (sieht nach
Wartungsarbeiten aus), ist der Erste Offizier ganz aufgeregt. Der Wachmatrose
ist in Bereitschaft, genauso wie ich. Wir halten uns an Deck auf, sollen aber
die Luken noch zu lassen. Voellig sinnfrei ist das, sodass mich nun im Overall
an einen PC gesetzt habe, um diesen Bericht zu verfassen.

Keno

www.currus.twoday.net

nnnn

 

Samstag, 23. Mai 2009

25 Grand Banks

25 G.B.   23.05.2009    45_37_N    051_35_W

 

Mit 16,4 Knoten fahren wir ueber die Grand Banks vor der
Neufundlandinsel. Aussentemperatur ist 8,5 Grad, die Wolken bilden sich
zurueck, Wind nimmt zu, nun Windstaerke 6. Gestern abend war die Duenung so
stark, dass der erste Offizier die Geschwindigkeit schon etwas reduziert hatte.
In meiner Wache stampfte unser Schiff sehr stark, d.h. unser Bug wurde von
grossen Wellenbergen angehoben, um danach in die jeweils nachfolgenden
Wellentaeler zu fallen. Ganz bloed ist es immer dann, wenn der Abstand zwischen
2 Wellen mal geringer ist, dann ist unser Vorschiff gerade unten und knallt mit
der zweiten Welle zusammen. Das passiert mit so einer Wucht, dass sich unsere
Geschwindigkeit durchs Wasser in so einem Moment um gute 2 Knoten verringert
(Als ob man mit 4 km/h gegen eine Wand liefe). Da unsere Aufbauten auch noch
sehr hoch sind, federn sie immer nach. Fuer Besatzung, Schiff und Ladung ist
das starke Stampfen nicht gut, ich habe unsere Geschwindigkeit auch nochmal ein
wenig verringert. Dann wurde es besser.

Heute haben wir immer noch keine Eisberge gesehen, aber ein
Fischerboot, das sah von weitem so aus. Es war weiss und kleiner als die
„Andrea Gail“ aus dem Film Der Sturm.

nnnn

 

Freitag, 22. Mai 2009

24 Nordatlantik II

24 Nordatlantik II.

 

22.05.2009    44_36_N   
042_31_W

 

Seit wir von Portugal losgefahren sind, haben wir schon
ueber 1500 Seemeilen zurueckgelegt. Das kann ich den taeglichen Berichten
entnehmen, die ich immer mittags erstelle und verschicke, an Agenturen,
Reederei, Wetterroutingfirma usw.

Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit bisher liegt bei 17
Knoten, die Uhren stellen wir hier jeden Tag um eine Stunde zurueck.

Heute vormittag habe ich in meiner Wache jede Menge Papier
abgeheftet: Warnnachrichten fuer die Schiffahrt, Wetterkarten,
Wettervorhersagen, Satellitenverbindungsprotokolle und Meldungen mit den
aktuellen Eisgrenzen vor Kanadas Kuesten. Das Gebiet, das fuer bisher
bekanntes, schwimmendes Eis berechnet wurde, werden wir heute nacht und morgen
durchqueren. Es umfasst u.a. die Grand Banks vor Neufundland, ebendem Gebiet,
das in Sebastian Juengers Roman „Der Sturm“ bzw dem gleichnamigen
Film (mit Clooney) beschrieben wird. Unser Kapitaen sagte mir, dass man da
entweder eine starke Duenung hat oder Nebel. Mal sehen. Ein anderes Schiff, das
ich zu Beginn meiner Wache in knapp 20 Meilen Entfernung sehen konnte, faehrt
auch nach Montreal, aber mit einem anderen Kurs. Wahrscheinlich umfaehrt es die
Grand Banks komplett.

Ausserdem habe ich Seekarten berichtigt. Das war teilweise
wie eine Reise in die juengere Vergangenheit: Als ich in der Karte 591 eine
Tiefenangabe geaendert hatte habe ich abgemessen: Nur ca. 700 Meter noerdlich
von meiner Aenderung ist die Insel Alcatraz, an der ich vor einem Jahr ein paar
Mal vorbeigefahren war. Auch Oakland & San Francisco konnte ich mir da
nochmal wieder genauer ansehen. Zufaellig war die naechste Karte 1082-San Pedro
Bay.

Diese Karte stellt die Haefen von Los Angeles und Long Beach
dar, wo ich mit der „Rialto Bridge“ ebensooft war. In Position
33_45,9_N / 118_14,4_W fuehren die Henry-Ford-Avenue-Bruecken ueber den
Cerritoskanal, der die Terminalinsel vom noerdlicheren Hafen- und Stadtgebiet
trennt. Ende Dezember 2007 fuhr ich da mit einem Taxi rueber. Die eine der
beiden Bruecken kam mir sehr bekannt vor, so dass ich den Taxifahrer fragte, ob
das die Bruecke ist, die im Film „Nur noch 60 Sekunden“ Schauplatz
einer spannenden Szene ist. Nach einer Pause sagte der dann: „Das ist
tatsaechlich die Bruecke, aber das ist nun das erste Mal, dass jemand, der
nicht von hier ist, dies erkannt hat“.

Soviel erstmal zu Kalifornien, Mittelmeerkarten hatte ich
auch noch auf’m Tisch liegen und Englischer Kanal, aber die waren nicht
so spannend. Heute faellt Tischtennis aus, da wir relativ stark rollen, bis zu
20 Grad Neigung haben wir. Dann werde ich mir wohl gleich „Die
Ludolfs“ Folge 13 ansehen.

P.S.: Die Eilbek faehrt wieder: Ende Mai Bremerhaven, dann
Hamburg, Antwerpen, Spanien. Hoffentlich sehen wir sie mal.

nnnn

Donnerstag, 21. Mai 2009

23 Nordatlantik

23 Nordatlantik. 21.05.2009  -  43_50_N, 032_12_W.

 

Gute 260 Seemeilen nordnordwestlich von der westlichsten
Azoreninsel Flores fahren wir mit Kurs 278 und knapp 17 Knoten nach Kanada.
Hier auf dem Atlantik ist relativ schoenes Wetter, 17 Grad, 1025 hPa, maessige
Brise (Windstaerke 4, Anemometer geht zwar nicht, aber wenn auf`m Wasser wenige
weisse Schaumkronen sind, ist das „`ne vier“). Die Sonne scheint zwar
nicht mehr, es ist bedeckt nun, aber dafuer haben wir keine starke Duenung also
nur geringen Seegang und das ist auch sehr viel wert. Musik wird von einem
USBStick gespielt, im Moment laufen die Soundtracks von „Ein Mountie in
Chicago“, ich bin alleine auf der Bruecke. Es ist 10 Uhr, so dass ich
meine Arbeit fuer eine Teepause mit Thiele Tee & Kluntjes unterbreche.

Ich denke nun an die Wache von gestern abend, als die
Daemmerung in die Nacht ueberblendet wurde, hatte ich ein Ziel auf dem Radar,
das mit 11 Knoten fuhr und unseren Kurs kreuzte. Als es ungefaehr zwei Meilen
vor uns war, verschwand es ploetzlich. Zwischenzeitlich kam wieder von
Steuerbord ein zweites Ziel mit derselben Geschwindigkeit und einem aehnlichen
Kurs. Auch dieses verschwand. Dafuer kam noch ein drittes und das erste Ziel
war ploetzlich auch wieder auf dem Radar zu sehen, allerdings auf unserer
Backbordseite. Mit Fernglas und Scheinwerfern konnten der Ausguck und ich kein
einziges Ziel erkennen, daher nehme ich an, dass es U-Boote waren.

Soviel zu gestern, heute ist so gut wie nichts los, nur die
289 Meter lange „Great Challenge“ wird von unserem automatischen
Identifizierungssystem angezeigt. Die faehrt nach Rotterdam, ist aber soweit
entfernt, dass sie selbst mit einem Fernglas nicht auszumachen ist. Da kann ich
mich also wieder einer meiner Aufgaben widmen: Ich bereite Papiere fuer
Montreal vor, hauptsaechlich Listen: Besatzungsliste mit Geburtsdaten und
Passnummern, Besatz.liste mit persoenlichem Hab&Gut und zollpflichtigen
Waren, Besatzungslisten mit Impfdaten, Listen der angelaufenen Haefen, der
Schiffsvorraete, der Medikamente usw. Aber auch Erklaerungen sind gefordert:
Erklaerung, dass keine Waffen an Bord sind, keine Tiere, keine Drogen, keine
blinden Passagiere, Erklaerung, dass keine kranken Leute an Bord waren bzw sind
und das Schiff ein “Sauberkeitszertifikat” hat. Erklaerung, dass
Vorschriften zur Abwehr von aeusseren Gefahren (Terror/Piraterie usw)
eingehalten wurden usw usw. Als ich vor zehn Jahren in Hamburg gearbeitet
hatte, hiess es, dass mit der Computerisierung der Papierkram reduziert wuerde
und irgendwann ganz auf Papier im Hafen verzichtet werden soll (paperless
port). Eine Entwicklung in diese Richtung kann ich noch nicht erkennen. Darum
bin ich sehr froh, dass wir Computer haben und jedes Dokument nur ein- oder
zweimal anlegen muessen. Da koennen wir die Dinger per Email verschicken und
sooft ausdrucken, wie wir sie brauchen. (Frueher hatten Schiffe noch nicht mal
Kopierer an Bord und die Offiziere bemuehten sich, duennes Papier zu bekommen
um mit moeglichst vielen Durchschlaegen auf die notwendigen Anzahlen zu kommen.)
Und es kommt sogar noch besser: Da man von verschieden Computern auf die
zentralen Dateien zugreifen kann, braucht man noch nicht mal mehr einen
Speicherstick bei sich zu haben. Inzwischen haben wir auch neue Drucker
bekommen. In meiner Anfangszeit hier an Bord funktionierte von vier Druckern
nur noch einer: Der im Maschinenkontrollraum, das bedeutet Deck 5. Die Bruecke
ist Deck 13....

 

Nachtrag zur Strasse von Gibraltar: Nach den
Erzaehlungen sollte das ein ganz aufregendes Gebiet sein mit wahnsinnig hohem
Verkehrsaufkommen. Ich bin extra nachmittags in der Wache des Zweiten Offiziers
auf die Bruecke gekommen, um mir das anzusehen. Aber nach meiner vorlaeufigen
Einschaetzung ist es anspruchsvoller noerdlich an Fehmarn vorbeizufahren als
Gibraltar zu passieren. Interessant ist hier halt, dass man gleichzeitig Europa
und Afrika sehen kann.

 

P.S.: Schreibt mir an:    bridge@barmbek.wappen-reederei.de
     (Betreff: Keno oder 3/M)

 

nnnn

Freitag, 15. Mai 2009

22 Barmbek - Korsika & Balearen

 

 

Guten Morgen und ein froehliches Moin! an alle da
draussen an den Empfaengern. Es ist Freitag, mein fuenfter Tag hier an Bord der
Barmbek. Aus dem fest geplanten Wiedereinsatz auf der Eilbek ist leider doch
nichts geworden, aber auf der Barmbek gehts es auch wohl. Soweit ist hier alles
ok & es geht mir gut.

Ich komme gerade vom Tischtennisspiel, das unten im
Proviantraum moeglich ist. Die Platte ist improvisiert, aber Schlaeger und
Baelle sind normal. Auf der Eilbek hatten wir soetwas nicht, da haetten wir
allerdings auch keine Zeit gehabt fuer Ballspiele. Und schon bin ich dabei,
beide Schiffe zu vergleichen. Das wollte ich eigentlich nicht tun, jedenfalls
noch nicht. Denn obwohl beide Schiffe Schwesterschiffe sind, ist es doch
ueberraschend, wie gross die Unterschiede sind und damit meine ich nicht solche
Kleinigkeiten, wie dass die Muelleimer auf der Bruecke woanders stehen. Nach
und nach faellt mir immer mehr auf, so dass ich vielleicht mal was dazu
schreibe.

Von Valencia, wo ich am Montag 11. Mai an Bord kam,
fuhren wir nach Livorno, wo wir mit Schleppern in den Hafen kamen, sehr ungewoehnlich
fuer diesen Schiffstyp, aber es ging nicht anders.

Nur knapp einen Tag waren wir da in Italien bevor wir
uns aufmachten nach Cadiz in Spanien. Gestern haben wir uns Korsika von Norden
angesehen, heute kamen wir an Menorca, Mallorca usw vorbei. Soweit alles ganz
schoen, aber irgendwie ist es merkwuerdig, wenn man sich mehrere Monate an Nordsee/Ostsee
gewoehnt hat & nun da faehrt, wo quasi nix los ist. Morgen werden wir
Gibraltar passieren, da ist es dann vielleicht wieder spannend, mal sehen.

Die Reihe wird fortgesetzt.

nnnn

 

Donnerstag, 19. Februar 2009

21 Holtenau/Brunsbüttel 15.-16.02.2009

Um ca. 16.30 sind wir in der Holtenauer Schleuse. Damit unser 2.
Offizier es nicht so weit zum Schleusenkiosk hat, haben wir extra
regeln lassen, dass wir diesmal mit steuerbord anlegen können an der
Mittelmauer. Dadurch wird der Weg für meine Ablösung Tamara viel
länger, aber was solls, eine NOK-Passage wird ja für eine Übergabe
wohl ausreichen. Weil sie das Schiff schon kennt kommen wir sogar mit
gut 2 Stunden aus und da sind die Familiarisierungen des 2/O für
innere & äussere Sicherheit schon enthalten. Um kurz nach Mitternacht
bin ich wieder auf der Brücke, wir steuern Brunsbüttel an und ich
erfahre, dass der neue 3. Offizier (w) die
Qualitätsmanagementhandbücher mitgenommen hat auf Kammer. Alle
Achtung, ich habe da in meiner ganzen Zeit an Bord kaum reingeguckt.
Aber die neue ist auch woanders vorbildlicher: Sie hat die Lotsen beim
Wechsel in Rüsterbergen begleitet und dafür nicht nur eine
Sicherheitsjacke angezogen, sondern auch einen Helm aufgesetzt. Von
einem dermassen hohen Standard bin ich weit entfernt: Zweimal hatte
ich sogar vergessen, meine festen Schuhe anzuziehen, einmal davon war
in Finnland mit Schnee und Eis an Deck, da stand ich dann mit
Hausschuhen an der Lotsenleiter.
Am Morgen des 16.02. bin ich in Brunsbüttel ausgestiegen, im Kontor
des Agenten habe ich dann gewartet. Später kam ich mit einem Taxi zum
blöden Bahnhof Itzehoe und dann mit der Bahn nach Hause. Und was sehe
ich im Hamburger Abendblatt? Einen Riesenartikel über die Baustelle
Olkiluoto/Eurajoki, auf der zwischen Mäntyluoto und Rauma sowohl ein
neues Atomkraftwerk als auch ein Endlager gebaut werden und über die
wir bei meinen Besuchen in Finnland häufig gesprochen hatten.
Hier ist nun vorübergehend Schluss, im April gehts weiter.
nnnn

20 Rauma Januar 2009

Platzhalter, wird bald eine Erählung kommen.

Freitag, 6. Februar 2009

19 Eisbären, Frösche & Gorilla - Der Feederzoo

19 Eisbären, Frösche & Gorilla - Der Feederzoo

φ 53°38’N λ 008°27’E - Weser

Freitag, sechster Februar, kurz vor ein Uhr mittags. Heute morgen haben wir um halb sechs an der Bremerhavener Stromkaje angelegt, um halb zwölf waren wir schon wieder unterwegs. Dies war ein kurzer Besuch, in dem wir aber Flaggen, Ersatzteile, Proviant & Frischwasser bekommen haben-und Seekarten, u.a. eine fur den grossen Belt hatte ich bestellt für den Fall dass wir da mal lang müssen, aber geliefert wurde eine Seekarte von Korea. Kai ging von Bord, das ist ungut, nun muss ich meine Arbeit selber machen. Wir haben einiges an Ladung gelöscht aber Container geladen haben wir keine! Unser Schiffchen sieht nun sehr merkwürdig aus, denn die wenigen Kisten, die wir an Bord haben (171) stehen alle unter Deck. Eigentlich sollte Litauen diesmal ausfallen, aber nun fahren wir da doch hin, denn von Klaipeda werden wir viele Leercontainer nach Schweden bringen.
Seeschiffahrt ist tierisch im Allgemeinen und im Besonderen, als ich mir letztens mitm Funkgerät einen Wolf gerufen habe wurde mir das wieder bewusst. Wir reden frei nach Stromberg darueber, dass man wie ein Wiesel sein muss, manchmal wird auch noch ein Krokodil erwhnt (See you later Alligator). Die Tiere, die wir essen lasse ich nun mal weg, dennoch fahren so einige mit: Ganz unten ist das sogenannte Kielschwein, das kann man sogar füttern. Rattenbleche haben wir auch, die hängt man über die Leinen, keine Landviecher kommen an Bord, haben wir erst einmal benutzt, seitdem ich an Bord bin. Viel wichtiger ist Elefantenhaut, eine Kunststoffantirutschmatte aus der man sich Stücke in der Grösse ausschneidet wie man sie braucht. Tigerbier haben wir nicht an Bord, aber einen Gorilla, diesen Spitznamen hat unser Schlosser auf seinem Helm stehen. Eisbären gibt es, das sind unsere Arbeitshandschuhe, Fische sind Verlängerungen der Containerlaschstangen und Frösche sind Drahtseilklemmen, die wir manchmal haben, wenn wir finnische Vancarrier auf Flatracks fahren. Ganz oben bei unseren Aufbauten ist die Affeninsel, sprich monkey island. Mit monkey business haben wir nichts zu tun, mit maikäfern (annaehernd hilflos manövrieren beim Anlegen) auch nicht. Bleiben noch Seeschlangen zu erwähnen, was kleine Schiffe sind, die quer durch die Ostsee fahren, teilweise sogar auf sogenannten Tiefwasser!routen, die eigentlich für Schiffe mit grossem Tiefgang gedacht sind. Vögel muss ich auch noch erwähnen. Letztens hatte ich schon beschrieben wie welche von Holland nach England mitgefahren waren. Mit Adleraugen kann man noch mehr sehen: Auf dem Querstab unseres Vormastes eine Eule, sieht jedenfalls so aus, ist unser Typhon, und auf dem Wasser „Baltic Star“.

nnnn

Montag, 2. Februar 2009

18 Deutsche Bucht 02 02 2009

18 Deutsche Bucht Montag 02.02.2009 53 37 N 005 12 E

Heute morgen um sechs waren wir schon im Verkehrstrennungsgebiet „Terschelling-GermanBight“ vor der Wesermündung als ich zu meiner Wache auf die Brücke kam. Der Wind kam mit bis zu 9 Beaufort aus Osten. Mit diesem Rückenwind fuhren wir bis zu 19,5 Knoten, obwohl wir noch nicht mal mit „Voll Voraus“ unterwegs waren.
Die Position ist die von 11 Uhr, da überholte ich gerade einen Hutschefiedel (schreibt man das so?) von Hartmann, der sich mit 11 Knoten durch die bis zu vier Meter hohen Wellen kämpfte.
Die Seekarte 1635 ersetzt seit ein paar Wochen die alte 3761 und zeigt die Deutsche Bucht. Ostfriesland, Dollart usw sind auch drauf, so dass ich mal geguckt habe, in welchem Abstand wir an Pewsum vorbeigefahren sind. 29 Meilen waren das, also etwa 54 Kilometer. Zu Norddeich-Kiwi 19 nm (35km).
Inzwischen sitze ich im Schiffsbüro, meine wöchentlichen Eintragungen im Wartungs- und Prüfprogramm sind schon fertig, da kommt unser Bootsmann und will mir was zeigen. Er nennt es mein „Projekt“, es geht um einen Amiral. Gestern hatte ich in der Crewmesse dem 2. Ingenieur eine Skizze abgegeben, die ich auf der Brücke angefertigt hatte. Die zeigt ein 32 cm langes Rohr, das hochkant auf einer kleinen Metallplatte festgeschweisst ist und am oberen Ende über 2 Ösen verfügt. Das Ding hat der Bootsmann unter Aufsicht des zweiten Ings. geschweisst und nun noch gelb angemalt. Ohne Wasser ist das Ding nun schon schwer, mal sehen wie es bald mit Wasser ist. Denn das ist der Zweck dieses Behälters: Man lässt es im Hafen an einer Leine ins Wasser bis anderthalb Meter unter der Oberfläche und hievt dann das volle Gerät an Deck. Ein Dichtemesser der aussieht wie ein Reagenzglas am Stiel wird in das Wasser reingestellt und wenn er aufhört sich auf&abzubewegen kann man ablesen, welche Dichte das Wasser hat. δ=1,000 kg/Liter bedeutet Frischwasser, z.B. Klaipeda. 1,020 kg/Liter ist der höchste Wert, den ich bisher gesehen habe, das war in Teesport/England.
Wichtig sind diese Werte für unseren ersten Offizier, der sie bei der Ladungs- & Ballastplanung braucht. Fahren wir beispielsweise von Antwerpen nach Teesport, ist die Strecke kurz und der Verbrauch unterwegs gering. Dennoch haben wir dann in England 10 cm weniger Tiefgang!
Heute abend sind wir wohl um halb acht an der Lotsenstation Steenbank in der Scheldemündung.
nnnn
logo

Jentaculum

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Menü

Aktuelle Beiträge

Sie haben die Einladung...
Currus - 8. Apr, 10:24
Sie haben die Einladung...
Currus - 8. Apr, 10:23
Keno Raveling's invitation...
Currus - 26. Mär, 10:50
Ich möchte Sie gerne...
Currus - 22. Mär, 14:54
Fwd: 20130427 0121 22...
Currus - 27. Apr, 16:04

Links

Suche

 

Status

Online seit 6514 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 8. Apr, 10:24

Credits


Profil
Abmelden
Weblog abonnieren