Mittwoch, 15. Juli 2009

34 Nordatlantik/Livorno 14.07.2009

34 Nordatlantik/Livorno

 

14.07.2009        20.40
(UTC+1)    39_08_N   018_11_W

 

Es ist Dienstagabend, viertel nach acht. Gerade habe ich die
Wache uebernommen, wir hoeren Musik von Achim Reichel. Thomas macht
Kartenarbeit, einer der Passagiere guckt ausm Fenster und ich kann wieder einen
Blogeintrag machen. Seit wir gestern abend von Lissabon losgefahren sind, haben
wir Wind und Wellen von schraeg vorne. Das fuehrt dazu, dass das Schiff rollt
und stampft. Die Haelfte der Passagiere nimmt wegen Seekrankheit nicht mehr an
den Mahlzeiten teil.

Wir fahren mit Kurs 275 auf den Konfluenzpunkt 40 N 30 W zu,
gute 40 Meilen noerdlich der Azoren. Danach halten wir auf 42 N 50 W zu. Das
ist etwas suedlich der Grand Banks, ungefaehr da, wo die Titanic untergegangen
ist.

In einem JamesBondFilm fiel mir letztens etwas auf: Von
einem grossen Schiff, das sich zwischen den Azoren und Portugal befindet,
werden da 2 U-Boote losgeschickt. Kurze Zeit spaeter ist das eine in der Naehe
der Azoren (480 Meilen), das andere fast bei den Grand Banks(1700 Meilen). Das
waeren schon wahnsinnige Geschwindigkeiten, aber der Zeitraum betrug nur 12
Minuten, sodass das eine U-Boot mit 2400 Knoten unterwegs war und das andere
mit 8500 kn.

Nachtrag zu Livorno: Eigentlich heisst der Hafen ausserhalb
Italiens Leghorn, aber ich habe erst einmal erlebt, dass jemand diese
Bezeichnung benutzt hat, das war jemand von Hapag-Lloyd. Als wir da letztens
ankamen, hatten wir Windstaerke 7-8. Obwohl die Lotsen uns um 11 versicherten,
dass wir mittags direkt in den Hafen reinfahren koennen, mussten wir von 12 bis
20 Uhr in Ungewissheit draussen warten. Die Leute am Haupttor des
Containerterminals wussten jedoch schon mittags, dass wir erst um 21 Uhr
festmachen wuerden. Die beteiligten Parteien zeichnen sich also durch eine
unkooperative Arbeitsweise aus und das pranger ich an. In Nordsee & Ostsee
ist das zum Glueck anders.

nnnn

 

Samstag, 11. Juli 2009

33 Valencia

33 Valencia

 

11.07.2009        10.40
(UTC+2)    39_57_N   004_50_E

 

Es ist Freitag, zwanzig vor elf, wir befinden uns 25 Meilen
oestlich von Menorca.

Ich hatte eigentlich vor, mit der Korrektur von Seekarten
und –handbuechern zu beginnen, aber daraus wird heute nichts. Erstmal
ergaenze ich die Listen fuer den Hafen Lissabon mit den Informationen, die wir
nun neu haben: Es werden da drei Passagiere an Bord kommen &
Besatzungswechsel wird stattfinden: Der 3. Ingenieur wird durch einen
Montenegriner ersetzt und fuer einen Matrosen kommt ein Matrose neu, der ein
Patent hat. Den kenne ich schon von der Eilbek, er heisst Manny und wird mich
abloesen, wenn ich in Urlaub gehe.

Seit Valencia haben wir auch einen neuen Chief: Der wohnt in
Cuxhaven und ist schon mehrfach mit Kapt. Wolters zusammen gefahren. Wir sind
nun drei Deutsche an Bord und alle von Bremen abgeflogen.

Darueberhinaus fuehre ich diverse Checks durch, um die
Pruefliste fuer die Brueckenausruestung abzuarbeiten, das soll man in jeder
Wache machen. Dazu kommen noch der taegliche und der woechentliche Test der
Funkausruestung und natuerlich das Navigieren an sich mit Plotten von
Radarzielen (heute hauptsaechlich Fischerboote), Kursaenderung,
Positionsbestimmungen sowie Wetterbeobachtung. Waehrenddessen photographieren
Kapitaen und Erster Offizier das Innenleben des zweiten
ElektronischeSeekarte-PCs. Der ist in Dutt, soll wohl in Cadiz jemand kommen
dafuer.

Am Montag waren wir an Land in Valencia. Da war es mit 34
Grad zu heiss, aber ansonsten ganz gut. Wir waren in der Post, sind in der
Innenstadt herumgelaufen & haben uns alles angesehen, was uns interessant
erschien. Zum Beispiel waren wir in einer Kirche, in einer Markthalle & in
einem Rondell. Das ist ein runder Hinterhof, in dem zwei Dutzend kleine Laedchen
um einen kleinen Platz mit Brunnen gebaut sind. Die Laeden verkaufen
hauptsaechlich Handarbeitssachen und Souvenirs, aber die Atmosphaere ist nicht
schlecht. In einem Supermarkt gibt es die tollsten Einkaufswaegelchen, die man
sich vorstellen kann. Im Hauptbahnhof faellt auf, dass man seinen Muell aufn
Fussboden schmeissen muss und dass das Gepaeck gescannt wird, wie auf einem
Flughafen. Wenigstens gibts da ein Spiegelmagazin zu kaufen. Spaeter essen wir
noch leckeres Eis und fahren mit einem Taxi zurueck zum Schiff. Auch im
Strassenverkehr kann man was interessantes beobachten: Es gibt Kreuzungen, bei
denen vier Fahrspuren hinfuehren aber nur drei auf der anderen Seite
weitergehen. Da muessen eben alle ein bisschen gucken, wo sie bleiben.

nnnn

 

Donnerstag, 25. Juni 2009

31 Cabotstrasse

31 Cabotstrasse

 

21.06.2009   12.04     48_04_N   060_47_W

 

Heute ist Sonntag, um kurz nach acht heute vormittag hatten
wir Kap Ray querab, seitdem sind wir in der Cabotstrasse. Fuer halb elf war
eine Uebung angesetzt, aber schon um kurz nach zehn habe ich den Wachmatrosen
auf die Bruecke gerufen. Dummerweise war naemlich um 10.02 der Kreiselkompass
ausgefallen. Das kann bei achterlicher See mal vorkommen, selbst bei relativ
geringer Duenung, in diesem Fall knapp einen Meter hohe Wellen. Der Matrose
steuert dann nach Magnetkompass, solange bis der andere Kompass sich wieder
korrekt justiert hat (kann durchaus vier Stunden dauern). Ich zeichne dann alle
Viertelstunde unsere Position in die Seekarte und kontrolliere, dass wir uns
moeglichst auf der Kurslinie bewegen, die ich in Lissabon eingezeichnet habe,
besonders weil dies Gebiet ein sogenanntes Verkehrstrennunsgebiet ist, in dem
man bestimmte Grenzen nicht ueberfahren darf. Der Kapitaen ist waehrend der
Uebung auf der Bruecke, um ueber Walkie-Talkie den Fortgang der Uebung zu
verfolgen, ich kuemmere mich derweil um die Navigation inkl. Wetterbeobachtung,
Tagebucheintraegen und Funkmeldungen an die jeweiligen
Verkehrsueberwachungsstellen.

Gestern vormittag haben wir waehrend meiner Wache die
Hauptmaschine voruebergehend abgestellt, um Bug- und Heckstrahler zu testen.
Extra fuer die Strahler war in Lissabon ein zusaetzlicher Elektriker an Bord
gekommen: Herr Kowalski, der gleichzeitig mit mir auf der Eilbek war, nun schon
die fuenfte Person innerhalb eines guten Monats, die von dort auf die Barmbek
kommt.

Die Tests verliefen gut, sodass wir unsere Ueberquerung der
Grand Banks fortsetzen konnten. Nachmittags habe ich die erste Haelfte vom Film
„Der Sturm“ angeguckt. Die hatten da im Film exakt die gleiche
Seekarte in Benutzung, die wir auch auf’m Kartentisch hatten. Nach Mitternacht
guckte ich den Film zu Ende. Es wurde da dann die Position 44_00_N  46_40_W
genannt. Erst kurz vorher waren wir ueber genau diese Stelle gefahren.

nnnn

 

32 Montreal 24.06.2009

Es ist Mittwoch hier in Montreal. Es ist ein
Feiertag fuer Jean Baptiste. Keine Ahnung wer das war, aber er ist sehr wichtig
fuer den kanadischen Bundesstaat Quebec.
Das Containerterminal steht jedenfalls still und auch viele Geschaefte sind
geschlossen. Ich war heute an Land. Wo unser Containerterminal zu Ende ist, faengt
ein Park an, in dem viele Leute picknicken. Auf der dortigen Buehne ist
Livemusik den ganzen Tag und wenige Meter weiter verkaufen kanadische
Pfadfinder Hot Dogs und Bier. Angeblich soll man in dem Park Internetzugang
haben, aber das klappt leider nicht. Den Geocache habe ich nicht gefunden, ohne
GPSGeraet und ohne iPhone ist das auch schwierig. Luftlinie war ich da wieder
ganz nah am Schiff dran, nur liegt dummerweise das Terminaltor auf der anderen
Seite.

Spasseshalber bin ich
danach noch durch ein Wohngebiet gewandert, das hatte grosse Aehnlichkeit mit dem
Gebiet, das ich von Quebec
City in Erinnerung habe. Die meisten Haeuser haben aussen eine Treppe, die in
den ersten Stock fuehrt. Auch ist mir wieder aufgefallen, dass hier Mazdas sehr
verbreitet sind, aber Chrysler z.B. habe ich keinen einzigen gesehen.
Randbemerkung: Jemanden zu finden, der Englisch spricht, ist hier noch
schwieriger als in Miami.

nnnn

 

Sonntag, 21. Juni 2009

31 Cabotstrasse 210609

31 Cabotstrasse      21.06.2009  
 12.04 (UTC-4)     48_04_N   060_47_W

 

Heute ist Sonntag, um kurz nach acht heute vormittag hatten
wir Kap Ray querab, seitdem sind wir in der Cabotstrasse. Fuer halb elf war
eine Uebung angesetzt, aber schon um kurz nach zehn habe ich den Wachmatrosen
auf die Bruecke gerufen. Dummerweise war naemlich um 10.02 der Kreiselkompass
ausgefallen. Das kann bei achterlicher See mal vorkommen, selbst bei relativ
geringer Duenung, in diesem Fall nur knapp einen Meter hohe Wellen. Der Matrose
steuert dann nach Magnetkompass, solange bis der andere Kompass sich wieder
korrekt justiert hat (kann durchaus vier Stunden dauern). Ich zeichne dann alle
Viertelstunde unsere Position in die Seekarte und kontrolliere, dass wir uns
moeglichst auf der Kurslinie bewegen, die ich in Lissabon eingezeichnet habe,
besonders weil dies Gebiet ein sogenanntes Verkehrstrennunsgebiet ist, in dem
man bestimmte Grenzen nicht ueberfahren darf. Der Kapitaen ist waehrend der
Uebung auf der Bruecke, um ueber Walkie-Talkie den Fortgang der Uebung zu
verfolgen, ich kuemmere mich derweil um die Navigation inkl. Wetterbeobachtung,
Tagebucheintraegen und Funkmeldungen an die jeweiligen
Verkehrsueberwachungsstellen.

Gestern vormittag haben wir waehrend meiner Wache die
Hauptmaschine voruebergehend abgestellt, um Bug- und Heckstrahler zu testen.
Extra fuer die Strahler war in Lissabon ein zusaetzlicher Elektriker an Bord
gekommen: Herr Kowalski, der gleichzeitig mit mir auf der Eilbek war, nun schon
die fuenfte Person innerhalb eines guten Monats, die von dort auf die Barmbek
kommt.

Die Tests verliefen gut, sodass wir unsere Ueberquerung der
Grand Banks fortsetzen konnten. Nachmittags habe ich die erste Haelfte vom Film
„Der Sturm“ angeguckt. Die hatten da im Film exakt die gleiche
Seekarte in Benutzung, die wir auch auf’m Kartentisch hatten. Nach
Mitternacht guckte ich den Film zu Ende. Es wurde da dann die Position
44_00_N  46_40_W genannt. Erst kurz vorher waren wir ueber genau diese
Stelle gefahren.

nnnn

 

Freitag, 19. Juni 2009

31 Nordatlantik 190609

31 Nordatlantik 190609 
10.44     43_53_N    042_41_W

 

Heute vormittag verbringe ich im
Wesentlichen damit, Nautische Handbuecher zu korrigieren.

Dazu schneide ich mit Skalpell bzw
Schere je nachdem aus den sogenannten Nachrichten fuer Seefahrer aktualisierte
Informationen aus, die ich dann in das jeweilige Buch einklebe. Manchmal heisst
es nur „A1234 Beispielname – delete entry“, das ist immer das
beste. Heute habe ich u.a. den Nautical Pilot 55 auf’m Tisch, der die
Nordseekueste und die Fluesse dazu erlaeutert, also auch die Ems. Da suche ich
mal den Pilsumer Leuchtturm. Aktives Seezeichen ist der zwar lange nicht mehr,
aber als Wegmarke koennte er ja noch dienen. Die Plattform „Z1“ bei
Manslagt habe ich gefunden, die Kirche von Pilsum steht genauso drin wie der
Campener Leuchtturm (53_24_N, 7_01_E) und die Rysumer Kirche, bevor die Knock
beschrieben wird mit Flamme und Radarturm (53_20_N, 7_01_E). Der Pilsumer
Leuchtturm jedoch wird noch nicht einmal erwaehnt! Unverschaemtheit!

Bei den genannten Tuermen ist die
Laenge identisch, daraus kann man erkennen, dass der Abstand zwischen beiden
Luftlinie exakt 7408 Meter betraegt, denn auf Meridianen und ihren Parallelen
entspricht eine Minute einer Seemeile (40000km/360Grad=111,11km/Grad.   111,11
km/60 Minuten=1,852km/Minute = 1 Seemeile)

www.currus.twoday.net

nnnn

30 Nordatlantik 18062009

30 Atlantik

 

18.06.2009    21.27 (UTC-1)   
43_36_N   037_11_W

 

Dafuer, dass wir mitten aufm Atlantik sind, ist heute
relativ viel los: Als ich um kurz vor 20 Uhr auf die Bruecke kam, passierte uns
auf gerade das grosse Containerschiff CMA CGM ELBE, das nach Le Havre fuhr.
Etwas suedlich von uns faehrt ein Schiff nach Ferrol (Spanien) und ein anderes Frachtschiff
faehrt ohne Ziel herum, jedenfalls ist da im AIS zu lesen: Ziel: For
ChanceHope@F, was auch immer das bedeuten soll. Noerdlich von uns ist ein
Tanker unterwegs, hinter uns ein Containerschiff nach Boston, das uns
sicherlich frueher oder spaeter ueberholt und uns entgegen kommt ein weiteres
Containerschiff, das nach Antwerpen will.

Wir fahren mit 16,8 Knoten nach Montreal, am 23. Juni wollen
wir morgens ankommen. Wir rollen. Letzte Nacht, in der es dazu noch neblig war,
und heute tagsueber relativ stark, bis zu 20 Grad. Es hat zwar ein wenig
nachgelassen, nervt aber noch immer. Ueber Funk hoere ich nun dauernd die Rufe
von einem kanadischen Seefunkdienst. Der versucht die Segelyacht
„Actuel“ zu erreichen. Eine Antwort kommt nicht. Laut
Satellitenwarnnachricht ist die Actuel mit 2 Personen im Mai von St. Pierre
Miquelon losgefahren mit dem Ziel Le Havre und mittlerweile ueberfaellig.

Dann werde ich gleich meinem Ausguck Bescheid sagen, wenn er
auf die Bruecke kommt, denn die letzte bekannte Segelyachtposition ist nur
genau 10 Seemeilen noerdlich vom noerdlichsten Punkt unserer Route entfernt.

nnnn

 

Freitag, 12. Juni 2009

29 Mittelmeer

29 Mittelmeer

 

10.06.2009        
23.00 (UTC+2)    41_52_N  
006_19_E

 

Stellt man sich das nordwestliche Mittelmeer wie ein Tier
vor, dann ist es ein Kamel, das gerade aufsteht, oder ein Dromedar, jedenfalls
das Teil mit zwei Hoeckern. Geringfuegig westlich vom Nullmeridian bei
ungefaehr 40 Grad Nord ist der Kopf bzw. Valencia. Als wir da vorgestern vor
Anker lagen, kam abends Nicole mit der Aidadiva rausgefahren. Der vordere
Hoecker ist der Loewengolf zwischen Cap San Sebastian und Marseille, der
hintere der Golf von Genua zwischen Monaco und La Spezia. Beide sind im Sommer
beruechtigt fuer den sogenannten Mistral, einem Fallwind, der das Wasser so
stark aufwuehlt, dass man selbst in Sichtweite der Kueste starken Sturm und
rauhe See hat. Schoen, dass wir mit Kurs 061 weit entfernt an beiden
vorbeiziehen. Unser naechster Wegpunkt ist noerdlich von Kap Korsika, der
Nordspitze der gleichnamigen Insel, die zusammen mit Sardinien die schon
durchgedrueckten Hinterlaeufe des Kamels darstellt. Danach fahren wir zwischen
den Ligurischen „Hinterschinkeninseln“ Gorgona und Capraia durch
und wenn wir in Livorno anlegen, sind wir am Arsch (=Toskana, Pisa usw). Da
faengt dann auch der Schwanz an – die italienische Westkueste – mit
Piombino und Civitaveccia in der Naehe von Rom.

Gerade eben „haben wir unser Treiben beendet“.
Unser Kai in Livorno ist frei, aber da noch eine
Faehre “medmoored” im Weg liegt,
haben wir 5 Stunden die Hauptmaschine abgestellt. Medmoored steht fuer
mediterranean mooring und bedeutet, das Ding ist mit dem Heck an der Pier
festgemacht, mit dem Arsch an der Wand sozusagen. Dummerweise ragte es dadurch
in den Wendekreis, in dem wir drehen muessen.

Verkehrssituation: Sechs Fahrzeuge habe ich auf’m
Schirm: Uns entgegen kam gerade die „Fast Sam“, die mir noch aus
der Ostsee in Erinnerung ist. Sie ist 90m lang und faehrt mit 10 Knoten (kn)
nach „For Order“, hat wohl noch kein Ziel. Weit vor uns faehrt das
Spassboot „Darling“ nach St. Tropez, etwas noerdlich von uns
schiebt die 156m-lange „Vento di Greccale“ mit 16 kn nach La Spezia.
Hinter uns gelassen haben wir das 34m-Segelschiff „Highland
Breeze“, das mit Motor nun neuneinhalb kn macht und der grosse Tanker
„Sina“, der eben unseren Kurs kreuzte auf seinem Weg nach
Nordafrika (274m lang, 15 kn). Ganz langsam kommt uns nun noch das Schiff
„Urania“ entgegen, das ozeanographische Untersuchungen anstellt.

 

 

12.06.200912.00 (UTC+2)   38_49_N  
002_42_E

 

Als wir in Livorno ankamen, war die o.g. Faehre immer noch
nicht fertig, sie wurde von einem Schlepper weggeschleppt und legte spaeter nochmal
wieder an. 

Inzwischen passieren wir die noch auf dem Boden ruhenden
Vorderlaeufe, die Balearen, was mir wieder die Moeglichkeit eroeffnet, Radio zu
hoeren. Hat Mallorca auch deutsches Radio? Schickt mir mal die Frequenz
.

 

Freitag, 5. Juni 2009

28 Azoren II

28 Azoren II

 

04.06.2009    37_24_N   
024_39_W

 

Als ich mit der “Eilbek” in der Nordsee fuhr,
wunderte ich mich
ueber den Begriff “Hospitalground”, der da einen Teil der
Doggerbank bezeichnet. Auf den Azoren ist das noch merkwuerdiger. Hier heissen
gleich zwei Kaps “Punta de Hospital”.

Als wir zwischen diesen Azoreninseln durchfahren kann ich
zum ersten Mal seit Jahren mal wieder eine Kreuzpeilung machen Haut sehr gut
hin. Die Wache ist auch schoen. Ich kann Radio hoeren, es gibt fast keine
Alarme, andere Schiffe sind nur sehr selten zu sehen & wenn, dann sehr weit
weg. Ganz anders ein Wal. Einer war ganz nah an unserem Schiff dran, hoechstens
100 Meter weg. Der hat seine grosse Schwanzflosse gleich mehrmals vorgezeigt.
Ansonsten ist die Wache ziemlich ruhig, International Herald Tribune habe ich
nun durch.

 

Nachtrag zum vorletzten „Eilbek“-Bericht:

 

Am 12.01.’09 sollten wir in Finnland sein, aber wir
kamen schon einen Tag eher vormittags um zehn auf der Reede vor Rauma an. Daher
gingen wir vor Anker in der Position 61-10,75-N  021-07,36-E mit 7
Schaekeln auf der Winde. Das bedeutet, dass im Wasser ca. sechseinhalb
Kettenlaengen sind, von denen jede 27,50 m lang ist. Am Ende dieser langen
Kette ist ein sogenannter Patentanker dran. Der ist anders als die, die in der
Emder Innenstadt rumliegen. Nachmittags um fuenf, als ich mir Casino Royal
anguckte, hatte ich ploetzlich das Gefuehl, dass irgendwas nicht stimmte. Es
gab aber keine ungewoehnlichen Geraeusche und als ich aus meinem Fenster sah,
konnte ich auch nichts besonderes entdecken. Ich guckte also weiter James Bond
und kurz darauf wurde unsere Hauptmaschine gestartet. Das war nun doch zu
ungewoehnlich & flinken Fusses begab ich mich auf die Bruecke. Da war nicht
nur der Erste Offizier sondern auch der Kapitaen. Ich erfuhr, dass der Anker
wohl nicht hielt. Er wurde gerade eingeholt, damit das Schiff wieder an die
Ankerposition fahren konnte, von der es abgetrieben worden war. Weil der Erste
nicht zum Abendessen wollte, ging ich hin und erfuhr hier, dass der Anker weg
sei. Das relativierte sich spaeter, denn der Ankerschaft war noch an der Kette
dran, Querjoch & Flunken fehlten aber.  So ankerten wir mit dem
anderen Anker erneut, mit einer Kettenlaenge mehr & bei Windstaerke 8. Da
der Wind in meiner Wache nicht nachliess, musste ich die ganze Zeit aufpassen, dass
wir nicht abtreiben. Peilung und Abstand zu dem Leuchtfeuer „Rauman
Majakka“ und GPS-Position sollten also moeglichst konstant bleiben. Die
ersten beiden haelt man mit den Radars unter Kontrolle. Fuer die Position macht
man einen Ring auf der elektronischen Seekarte um das Schiffssymbol drum,
solange „das Schiff da drin bleibt“ ist alles ok. Als unser Chief
spaeter mal den Kapitaen fragte, was denn der Reedereiinspektor zu dem
Ankervorfall gesagt haette, antwortete dieser nur: „Muessen wir ersetzen“.
Das passierte dann in Bremerhaven und war interessant.

 

nnnn

 

Mittwoch, 3. Juni 2009

26 Azoren I

26 Azoren I

 

03.06.2009    38_44_N   
032_14_W

 

Nachdem wir von Montreal
losgefahren waren, waren wir tagelang im Nebel unterwegs. Es liegt
hauptsaechlich daran, dass bei Neufundland Stroemungen unterschiedlicher
Temperaturen und damit auch unterschiedliche Luftschichten aufeinander treffen.
Aber als das eigentlich vorbei war, vorgestern kamen wir in eine Okklusion.
Dabei vereinigen sich Kalt- & Warmfront eines Tiefs & genau da waren
wir drin. Das Tief war hinter uns, aber etwas schneller als wir. Heute nacht
hat es uns ueberholt & nun haben wir schoenes Wetter. Also alles genau so,
wie in der Meteorologievorlesung gehoert.

Am Besten ist am schoenen Wetter, dass ich nicht wie bei
Nebel die ganze Zeit am Radar verbringen muss, sondern frei rumlaufen kann. So habe
ich vorhin die Ansteuerung von Cadiz geaendert, da kuerzen wir zukuenftig etwas
ab bevor der Lotse an Bord kommt, und diverse Unterlagen habe ich gerade an
unseren Agenten in Valencia
geschickt. Die
Musikzusammenstellung
vom USBStick ist eigenwillig im Moment, Gangster’s Paradise,
Let’s twist again, Jein, Bruttosozialprodukt, also alles moegliche kreuz
& quer. Filmmusik ist auch viel dabei & Beach Boys, Wise Guys, Beatles,
Texas Lightning....

Ausser mir ist auch unser Blitz auf der Bruecke. Gestern vormittag
haben unsere Scheibenwischer schlappgemacht. Ich habe die Sicherung getauscht,
aber die neue brannte auch durch, sodass sich nun der Elektriker darum kuemmern
darf.

Es ist halb zwoelf, 60 Meilen nordoestlich von uns ist die
Azoreninsel Flores (Punta das Lajes). Gleich schicke ich die Mittagsberichte
weg und trage Wetter usw ins Logbuch ein. Dazu zaehlt auch die Duenung, die aus
Nordosten (NE) kommt & relativ hoch & sehr lang ist, von einem
Wellenberg zum naechsten ca. halbe Schiffslaenge also gute 80 Meter. Die haben
wir schon seit gestern abend. Obendrueber liegt noch eine kleine Duenung aus
Suedosten, die ist viel schneller zu entdecken, aber nicht vorherrschend.
Dennoch bin ich der einzige, der die NE-Duenung eingetraegt. Gleich nach dem
Mittagessen will der zweite Ingenieur gegen mich Tischtennis spielen. Er hat
zwar gestern gegen mich mit 25:21 gewonnen, aber nachdem ich ankuendigte, das
naechste Mal nicht mit links sondern rechts spielen zu wollen, will er
unbedingt nochmal.

 

nnnn

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