Montag, 14. Dezember 2009

51 Kap San Vicente 14.12.2009

36 35 N 009 16 W

Es ist ungefaehr halb fuenf Uhr morgen, wir fahren mit wirtschaftlicher
Geschwindigkeit (quasi Oekomodus) im Verkehrstrennungsgebiet um das Kap San
Vicente herum, das ist die Suedwestecke der iberischen Halbinsel. Weil der
einzige Musiksender, den wir hier empfangen, merkwuerdige Musik spielt,
bevorzuge ich die Stuecke, die ich auf meinen Speicherstick geladen habe
(Buena Vista Social Club, "Bochum" und viele mehr). Die Verkehrssituation
ist relativ entspannt: "Kumbar" & "Lady Olga" die mit 14 bzw 11 Knoten nach
Oran bzw Kokkola-Tarragona fahren, haben wir schon ueberholt. Im Moment sind
wir auf einer Hoehe mit der "Allerdiep", die nach Motril dampft (10 kn).
Gleich ziehen wir an der "Golden Star" vorbei. Bei der gibt das AIS Nemrut
Bay als Zielhafen an. Mit zwoelfeinhalb Knoten ist sie vier Knoten langsamer
als wir. Interessant sind die ungewoehnlichen Lichterscheinungen: Staendig
blitzt es am Horizont, weil es so aussieht wie die Nachtaufnahmen vom
Irakkrieg im Fernsehen, glaube ich, dass das spanische Militaer aufs Wasser
schiesst. Relativ haeufig koennen wir nun auch Sternschnuppen sehen. Frage
mich nun, ob's da einen Zusammenhang gibt - koennte ja vielleicht sein. Wir
sind ungefaehr 50 Kilometer von der Kueste weg. Im Navtex nachlesen kann ich
leider zurzeit nichts, da der Druckkopf beschaedigt ist, und von jeder Zeile
die oberen 70 Prozent fehlen. In Baelde erhalten wir ein Neues.

nnnn

Donnerstag, 10. Dezember 2009

50 Biskaya 10.12.2009

50

48 02 N 006 33 W

Morgens halb zwei in der Biskaya: Dunkel & ungemuetlich. Bis vorgestern gab
es hier Wellen von bis zu neun Meter Hoehe. Deswegen hatten wir vor der
Scheldemuendung geankert, um ebendiese zu vermeiden. Nun sind die Wellen nur
noch fuenf Meter hoch, das ist also schon mal besser, reicht aber leider
aus, um uns sehr stark zum Rollen zu bringen. Bedeutet wir schaukeln
staendig hin & her, manchmal weniger, meistens mehr. Bloederweise - Murphys
Gesetz - bekommt unser Schiff immer dann einen etwas staerkeren Schubs, wenn
man es gerade nicht gebrauchen kann, z.B. wenn man gerade heisses Wasser in
einen Becher giesst, sich anziehen moechte oder das Rettungsboot
ueberprueft. Letzteres habe ich gestern abend vorsichtshalber mit
Sicherheitsgeschirr gemacht, damit ich nicht ueberbord fallen konnte.
Geschlafen habe ich seit 17 Stunden nicht mehr. Aber um Mitternacht hat
unser Kapitaen den Kurs etwas geaendert, sodass das Rollen geringfuegig
weniger wurde. Darum hoffe ich, dass ich nach der Wache gut schlafen kann.

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nnnn

Samstag, 5. Dezember 2009

49 Schelde 05.12.2009

Es ist abends, kurz nach acht. Eben habe ich meinen Papierkram in Sachen
Sicherheitsausruestung fuer heute beendet, zur Zeit fahren wir auf der
Schelde, schaetze, dass wir gegen Mitternacht in der Schleuse sind.
Letztens ankerten wir in Vigo zweimal: Einmal, weil wir viel zu frueh
ankamen & ein weiteres Mal, weil wir in der Biskaya sehr schlimmes Wetter
gehabt haetten: Am 2. & 3. Dezember war da wohl Wellenhoehe von neun Meter
angesagt & wir hatten ja Zeit. So konnten wir da schoen geschuetzt im
sogenannten Cies Ankergebiet rumliegen bevor wir uns aufmachten.
Als wir Kap Finisterre (NW-Ecke Spaniens) umrundeten und auch in der Biskaya
hatten wir noch mit der Duenung umzugehen, die noch da war: 5 Meter aus
Nordwest, also quasi von unserer Backbordseite, brachten unser Schiff ganz
stark zum Rollen. Das hoechste was ich selbst abgelesen hatte, war 25 Grad,
aber ich nehme an, dass es auch mal mehr war, z.B. ist in meiner Nasszelle
das Abflussgitter herumgeschlittert. Das ist eigentlich waagerecht in einer
Fussbodenvertiefung eingelassen.
Nun denn, nun also wieder Antwerpen, zweite Rundreise ist dann um, juchhu.
Da loest dann der neue Chief (aus Hamburg) den alten aus Lettland ab. Schade
eigentlich, denn mit dem habe ich mich gut verstanden.
nnnn

Freitag, 27. November 2009

48 Cadiz 26.11.2009

36 35 N 006 19 W

Es ist kurz nach zwei Uhr morgens. Wir ankern wieder in der Bahia de Cadiz.
Letztens war ich beim Chief & wir haben uns interessante Dokumentationen
angesehen: Die hatten russische Waffentechnik zum Thema, Panzer usw. Leider
sind die auf Russisch, aber die wichtigsten Sachen hat er mir uebersetzt.
Aus Cadiz hat er sehr leckeren Schinken. Der wird wohl sehr lange an der
Seeluft getrocknet & ist mithin eine zarte Spezialitaet.
In Valencia war nichts besonderes, sogar das Verholen hat diesmal nicht
stattgefunden. Geladen haben wir 354 TEU bei einer Kapazitaet von 1600 ist
das nicht viel. Wenn ich zwischendurch Zeit habe, werfe ich abgelaufene
Medikamente weg. Dafuer haben wir inzwischen praezise Anweisungen erhalten,
von denen die wichtigsten lauten: Weiterverwendung muss verhindert werden &
normale abgelaufene Medikamente nicht sammeln. Bisher wurden die aber alle
aufbewahrt, so dass ein Karton von der Groesse einer Pampersbox fast voll
ist mit dem Zeug. (Andere Verfahren gibt es fuer Desinfektionsmittel &
Stoffe, die vom Betaeubungsmittelgesetz betroffen sind.)

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nnnn

Montag, 23. November 2009

47 Cadiz 22.11.2009

36 32 N 006 17 W

Es ist zwanzig vor sieben & schon fast dunkel. Wir liegen in Cadiz, der
aeltesten Stadt Europas. Gestern abend kamen wir hier an, bis heute morgen
war ankern angesagt. Zum ersten Mal seit ich an Bord bin, war ich an Land.
Zwar nur fuer zwei Stunden, aber immerhin. Das reichte, um ein Modem zu
kaufen, Suessigkeiten zu erstehen & zum Friseur zu gehen.
Unser Kapitaen hat gerade erzaehlt, dass in diesem Ort gerade ein Film mit
Penelope Cruz & Tom Cr. Gedreht wird. Bullen seien ausgerissen & haetten
Frauen verletzt. Seine Frau hatte das zu Hause im Fernsehen gesehen. War das
in Deutschland auch Thema?

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Sonntag, 15. November 2009

46 Berendrechtsluis

Es ist Sonntag, wir liegen immer noch im Antwerpener Delwaidedok ganz hinten
(Ueber unser Heck gesehen ist die Autobahn hoechstens 500 Meter weg, wir
sind ungefaehr 16 Meilen noerdlich vom Opelwerk).
Manchmal passieren Dinge, die neu fuer mich sind: Letztens hat der
deutsch-philippinische Praktikant fuer unseren dritten Offizier Peter ein
lebendes Tier gekauft. Aber noch interessanter wars gestern: Als wir mittags
in der Antwerpener Berendrechtschleuse lagen, ging ich auf die
Achterstation, um Peter abzuloesen. Ebendieser sass mit dem Matrosen auf der
Bank & beide spielten - Schach! Das ist bei unseren Filipinos zwar schon
seit laengerem das gerade angesagte Spiel, aber dass es auf Station gespielt
wird, ist doch bemerkenswert.
Heute morgen um 00.18 Uhr wurde hier vorlaeufig aufgehoert zu laden. Unsere
Ladung ist wohl zum grossen Teil noch auf grossen Schiffen, die erst heute
hier in Antwerpen ankamen. Vielleicht sind die wegen schlechten Wetters
verspaetet, sieht man sich die Wetterkarten an, koennen wir wohl froh sein,
dass wir schon seit gestern im sicheren Hafen liegen. Gerade eben habe ich
noch eine ausgedruckt mit der Vorhersage fuer morgen mittag. Sieht nun etwas
besser aus.
Heute kamen vier neue Leute an Bord, so dass ich heute damit beschaeftigt
war, Formulare auszufuellen & die Neuen mit unseren Sicherheitsdingen
vertraut zu machen. Da haben wir erst kurz ueber die Sicherheit an Bord
gesprochen & dann habe ich ihnen gezeigt, wo wir uns im Alarmfall
versammeln, wo Rettungsboote & -inseln sind & auch in den Bugstrahlruderraum
sind wir runtergeklettert (laengste Leiter, die ueberhaupt auf diesem Schiff
ist), weil man da die Notfeuerloeschpumpe anmachen kann, wenn alles andere
nicht funktioniert. Losfahren sollen wir wohl morgen um 14 Uhr.

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Samstag, 14. November 2009

45 Antwerpen 14.11.2009 Teil 2

....Treibstoff oder sonstige Lieferungen & die meisten wissen einfach noch
nicht, wo sie als naechstes hinfahren sollen. Viele dieser Schiffe ankern
nicht, sondern treiben - dummerweise auf die Schiffahrtsroute zu.

Bis Bald. Keno

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45 Antwerpen 14.11.2009

51° 20' N 004° 21' E (Antwerpen Delwaidedok) 19.30 Uhr Schiffszeit (=MEZ)

Moin,
wir liegen wieder in Antwerpen, genau da, wo ich im Oktober eingestiegen
bin, ich habe also die erste Rundreise nun hinter mir. Die Reise ab Leixoes
war schon unschoen in Sachen Rollen, das hatte ich ja schon im letzten
Bericht angedeutet. Aber nach Vigo, wo uns viel unserer Ladung wieder
"weggenommen" wurde, wars noch heftiger, noch bevor wir ueberhaupt die Insel
Ushant passierten. Das Schiff neigte sich immer mehr zu den Seiten, das
hoechste was ich selbst auf dem Brueckenklinometer abgelesen hatte, waren 24
Grad. Spaeter beim Abendessen muss es noch mehr gewesen sein. Waehrend des
Abendessens jedenfalls sind viele Dinge trotz Elefantenhaut aufm Tisch um-
bzw runtergefallen. Wir wussten ja vorher, dass uns solche Bedingungen
spaetestens in der Biscaya erwarten, aber irgendwie gibt es doch immer noch
Dinge, die man vorher nicht gesichert hat: In der Kombuese rutschten auch so
einige Toepfe u.a. hin & her. Im Sitzen essen ist bei solchen
Schiffsbewegungen auch schwierig. Die Stuehle sind zwar mit dem Fussboden
verbunden, haben aber Spiel. Schlafen konnte ich dann nur noch auf meinem
Sofa, da das im rechten Winkel zur Fahrtrichtung angebracht ist.

Nun denn, gestern morgen wurde es etwas besser. Da waren wir um 02.30 Uhr
gerade 17 Meilen nordoestlich von der engl. Kanalinsel Alderney. (49_57_N
001_57_W) Verkehrsmaessig fuehlte ich mich wie auf der Ostsee: Trotz
wirtschaftlicher Geschwindigkeit waren wir schon die ganze Zeit am
Ueberholen, wir hatten die Stroemung von knappen 3 Knoten mit & kamen so auf
eine Geschwindigkeit von 19 Knoten. Ich weiss nicht, wie viele Schiffe ich
da um mich herum hatte, aber fuenf hebe ich mal heraus: Ueberholt hatten wir
u.a. den 120m-Tanker CHELSEA (14,5kn nach Fawley UK) & das fuer Rotterdam
bestimmte 290m-Schiff CASTILLO DE SAN JUAN, das mit 17,20 Meter
tiefgangbehindert ist (wird wohl ein Massengutschiff sein). Nicht gesehen
habe ich die AB VALENCIA (Reederei Bockstiegel). Die muss aber irgendwo
gewesen sein. Die ganze Zeit wurde sie von einer Verkehrueberwachungsstelle
gerufen, antwortete aber nicht. Gutes Arbeiten ist mit den Leuten, die im
Kanal Faehre fahren: Die COMMODORE CLIPPER (nach Portsmouth) passierte unser
Heck mit 7 Kabel Abstand, damit kann ich sehr gut leben. Ihr entgegen fuhr
die 185m-Faehre PONT AVEN, die vor wenigen Jahren bei der Meyer-Werft gebaut
wurde und nun nach Saint Malo dampfte.

Anmerkung fuer Nautiker zur Gibraltarerzaehlung: Eigentlich ueberhole ich
generell lieber so, dass ich meine Steuerbordseite frei habe. Hier war es
leider so, dass sich oestlich von Gibraltar sehr, sehr viele Schiffe
befinden. Die warten. Einige warten darauf, dass ihr Platz im Hafen frei
wird, andere warten auf







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Montag, 9. November 2009

44 Leixoes Reede 09.11.2009

41° 08' N 008° 46' W

Es ist nachmittag, halb vier, der Niederschlag kann sich nicht entscheiden,
ob er leichter Regen oder lieber nur Nieselregen sein moechte. Wir liegen
hier seit heute morgen um vier vor Anker. Heute abend werden wir in den
Hafen reinfahren, in ungefaehr vier Stunden soll der Lotse an Bord kommen.

Was bisher geschah, d.h. seit letztem Bericht: In Valencia haben wir direkt
bei Ankunft einen Lotsen bekommen & wenig spaeter am Marvalsa-Terminal
angelegt. Das Terminal, das wir in Valencia mit der Barmbek anliefen, war
schon weit ab vom Schuss aber Marvalsa ist noch weiter draussen. Wir
verholten zwar spaeter an das MSC-Terminal, aber das hat uns kaum geholfen:
Dasselbe Hafenbecken, nur andere Seite. Auf der Fahrt nach Cadiz bin ich zum
erstenmal allein als Wachoffizier durch die Strasse von Gibraltar gefahren.
Der Kapitaen kam zwar mal hoch, hat aber nur kurz geguckt & ist wieder
verschwunden. Es war allerdings auch nachts & es war in unserer Richtung
nicht so sehr viel los.
Anspruchsvollste Situation war auch nicht in der Strasse von Gibraltar
selbst, sondern davor. Wir waren schneller als zwei andere Schiffe, die ich
also ueberholen musste. Am liebsten haette ich die an meiner Steuerbordseite
gelassen sprich links ueberholt. Das noerdlichere von beiden hatte Gibraltar
als Ziel, das war gut. Das andere wollte nach Corpus Christi. Somit schien
mein Plan undurchfuehrbar, denn ich waere beim Ueberholen in den reichlichen
Gegenverkehr geraten. Spaeter als ich schon mit den Schiffen gleichauf war,
erfuhr ich zufaellig, dass das C.Christi-Schiff einige Lieferungen in der
Naehe des Europapunktes aufnehmen wollte. Das ist der aeusserste Zipfel
Gibraltars. Ich habe dann unsere Geschwindigkeit erhoeht, zwei treibende
Schiffe umfahren & dann Kurs gehalten auf unsere Fahrspur im
Verkehrstrennungsgebiet. Das ging alles ganz gut.
Auf unserer weiteren Fahrt waren dann Cadiz & Sines, aber interessant war im
wesentlichen die Zeit dazwischen: Wir hatten unterwegs sehr bloedes Wetter,
genaugenommen war die Duenung sehr stark: Wellenhoehe bis sechs Meter.
Inzwischen habe ich die Seitenbretter an meinem Bett angebracht, um nicht
rauszufallen.

nnnn
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