Mittwoch, 20. Januar 2010

60 Trockendock Antwerpen 1

Moin!
Es ist Mittwochabend, 22.22 Uhr, ich bin endlich auf meiner Kammer &
kann nun einen kleinen Zwischenbericht schreiben. Zwischen schreibe
ich, da zwar erst vier Tage seit dem Eindocken vergangen sind, aber
schon soviel passiert ist, dass ich so oder so irgendwelche
interessanten Sachen vergesse.
Am Sonnabend nachmittag verholten wir vom Delwaidedok zur Werft. Wie
beschrieben, mussten wir auf Achterstation mit einer einzigen Winde
auskommen, was das Ablegen an sich nicht gerade vereinfacht, aber erst
Recht Umstaende macht, wenn man wie wir auch noch eine
Schleppverbindung mit Schiffsleine herzustellen hat. Anfangs sollten
wir die sogar doppelt nehmen, aber das erblieb uns dann doch noch
erspart.
Interessant aber anspruchsvoll war dann das Eindocken. Dieser Beruf
hat es wohl für mich vorgesehen, dass ich immer dann, wenn ich was zum
ersten Mal mache, mit einem aussergewöhnlichen, zusätzlichen
Erschwernis fertigwerden muss. Ich hatte vor, nun noch das Eindocken
zu beschreiben, bin aber viel zu muede.
Bis Bald
nnnn

Samstag, 16. Januar 2010

59 Antwerpen 16.01.2010

Antwerpen 51 19 N 004 20 E

Bevor wir im Hafen von Vigo waren, lagen wir dort vor Anker. Es gab eine
Duenung, die so langgezogen war (also sehr grosse aber flache Wellen), dass
man die fast gar nicht sehen konnte. Ausgerechnet diese Art von Duenung
macht einem das Leben schwer: Obwohl wir ankerten, rollten wir manchmal
extrem hin & her, 31 Grad war die hoechste Kraengung, die ich auf dem
Klinometer selbst gesehen habe. Einige Tage vorher hatten wir aehnliche
Duenung im Hafen von Cadiz. Die langgezogenen Duenung nennt man da Rechaca
oder so aehnlich, man konnte sie nur gegenueber an einer Mole erkennen. An
den anderen Schiffen dort (u.a. Faehren) wurde deswegen nicht gearbeitet.
Uns sind drei Leinen gebrochen bzw gerissen.

Nachdem wir Spanien hinter uns hatten, erlebten wir noch einiges Rollen im
Atlantik & auch starke Winde (Druckabfall innerhalb weniger Stunden 20hPa!).
Aber wir hatten Glueck, das Tief bewegte sich nach Osten & wir fuhren nach
Nordosten durch die Biskaya. Die war diesmal sehr ruhig. Im Aermelkanal
hatten wir dann soviel Strom mit (Stroemung), dass wir fast 2 Stunden eher
am Lotsen waren, als vorher geplant. Deswegen mussten wir sogar unsere
Feuerloesch- u.a. Uebungen ausfallen lassen. Vielleicht holen wir die in der
Werft nach.

Heute morgen Mitternacht sagte mir unser 3/O, dass die Windensteuerung
Steuerbord kaputt ist, die Winde sei aber ok. Als ich kurze Zeit spaeter auf
Station bin ist es genau umgekehrt, das ist viel schlimmer. Ausgerechnet
unser Schiff muss dann auch noch mit Steuerbordseite laengsseits gehen,
umstaendlicher geht es kaum: Um z.B. die Achterspring (Leine, die von hinten
Richtung Schiffsmitte fuehrt) zu belegen, waren wir mit vier Leuten
beschaeftigt: Ein Matrosen an der Winde, einer an der Windensteuerung, einer
an unseren Schiffspollern an Steuerbord & ich an der Ecke der Aufbauten, wo
ich die Leine noch sehen kann & den Windensteuerer, der auf meine Zeichen
achtet zum hieven (=ziehen) bevor das eigentlich Belegen/Festmachen beginnt.
Es hat insgesamt gut geklappt.

Ich habe dann noch unsere Tiefgaenge abgelesen, unser Landgang(Gangway) ist
sehr steil nun & einen Rundgang an Deck gemacht. Da habe ich mich davon
ueberzeugt, dass unsere Sicherheitssachen wieder vorschriftsmaessig
angebracht sind. Auf See sichern wir unsere vordere, kleine Rettungsinsel
immer 2 Meter weiter innen als vorgesehen, um eventuellem Verlust
vorzubeugen (U.a. bei Beluga ist das schon mehrmals passiert, dass die
Nordsee sich Rettungsinseln "abgebissen" hatte), den Feuerloescher ganz
vorne fahren wir dann unter Deck & die anderen Feuerloescher an Deck haben
Schutzhuellen, die der Bootsmann mal aus Planen genaeht hat. Alle diese
Massnahmen dienen zwar dazu, unsere Sicherheitsausruestung zu behalten bzw
zu schuetzen, sind aber nicht erlaubt.

Unsere Ladung soll wohl bis Mittag ausgeladen sein, sodass das Ablegen fuer
14 Uhr geplant ist. Dann geht's ins Trockendock, bin mal gespannt, das habe
ich ja noch nicht mitgemacht.

nnnn

Samstag, 9. Januar 2010

58 Bucht von Cadiz 09.01.2010

58 Bucht von Cadiz 09.01.2010 - 36 34 N 006 20 W

Es ist nun halb vier nachmittags & alles ist wunderbar. Ich haette nicht
mehr damit gerechnet, dass ich das nochmal hier an Bord schreibe, aber nun
ist es so. Unsere Zeit im Mittelmeer war ok, d.h. unser Schiff stampfte zwar
aber das ist ja kein Rollen & so konnte ich im Bett schlafen. Mit
Gibraltarpassage & Anlegen in Cadiz hatte ich nichts zu tun, da das alles
ausserhalb meiner Wache war. Heute vormittag konnte ich bei bestem Wetter
(Sonnenschein, 15 Grad) an Land gehen. Aufs Geratewohl bin ich irgendwo
langgelaufen, wo ich noch nie war & so habe ich endlich auch den Supermarkt
gefunden. Danach ging ich nach Gefuehl (mal links, mal rechts) zur
Kathedrale, um wieder im Internet zu surfen. Oberste Prioritaet hat immer
podcast.wdr.de, wo ich die neuesten Dittschefolgen runterlade. Dann kommen
noch Emails checken & Nachrichten. Ganz toll ist, dass einige Cafes schon
Stuehle draussen haben, so kann ich nebenbei Capuccino reintun. Mein
"Stammcafe" hat noch eine angenehme Eigenheit: Beim Bezahlen wird mir immer
ein Betrag genannt, der um 50 Cent unterm tatsaechlichen Preis liegt. Keine
Ahnung warum, aber eigentlich nicht schlecht.
An Land war also schon mal alles gut, dann gabs noch leckere Suppe heute
mittag (ist ja Sonnabend), das Ablegen lief perfekt & als wir Beginn der
Seereise hatten, wo die Ingenieure die Stromversorgung auf Wellengenerator
umstellen, fiel der Strom NICHT aus diesmal. Das war letztes Mal naemlich
geschehen, als wir Cadiz verliessen & knapp vier Meilen vor der Kueste
waren.
Am Besten ist aber unsere naehere Zukunft: Gestern haben wir erfahren, dass
wir nach der Woche im Trockendock zwischen Nordsee & Ostsee fahren werden:
Jackpot! Ich freu mich drauf.
Bis Bald. Keno

nnnn

Samstag, 2. Januar 2010

57 Leixoes 02.01.2010

Leixoes 41 11 N 008 42 W

Wir liegen im Hafen, es ist kurz nach sieben abends, ich bin auf der
Bruecke. Der Hafen hat eine schoene Lichtkulisse: Ein grosser Tannenbaum ist
mit leuchtenden Sternen geschmueckt, einige Haeuser, Hallen &
Brueckenpfeiler ebenso. Auf der Klappbruecke, die wir sonst passieren, ist
zu lesen: Boas Festas. Ansonsten noch zu sehen: IKEA, TECLENA (was immer das
ist) & TRYP. Das ist ein Hotel, damals in Valencia durfte ich auch in einem
TRYP schlafen.
Was ich eigentlich schreiben wollte, sind die Begebenheiten von der Schelde
& von Cies.
Als wir Antwerpen verliessen, ging ich gerade ins Bett, als wir in der
Schleuse waren (ca. 21 Uhr). Ich dachte also, um Mitternacht seien wir
laengst irgendwo auf der Schelde. Als ich aber knapp drei Stunden spaeter
wieder aufstand & aus dem Fenster guckte, konnte ich gar nicht glauben, was
ich sah: Wir hatten uns ueberhaupt nicht bewegt! Ein anderes, groesseres
Schiff musste noch mit in die Schleuse & das kam erst um viertel nach
Mitternacht. Es war sehr nebelig. Spaeter auf der Bruecke konnten wir von
den Containern auf Luke 28 die hinteren Enden sehen, die vorderen aber
nicht. Das heisst, die Sicht betrug weniger als 40 Meter. Wir waren zu viert
auf der Bruecke: Kapitaen & Lotse vor den Radargeraeten, ein Matrose fuer
Handsteuerung & ich war sozusagen Ausguck: Die Schelde maeandert sich quasi
durch Holland & bei den ganzen Kurvenfahrten, die sich dadurch ergeben,
brauchte der Lotse jemanden, der ihm sagt, wenn die Lichter der Tonnen
auftauchen & wo (Die kann man etwas weiter sehen, aber auch weniger als eine
Schiffslaenge (169m)). Wenn wir sie dann passierten, habe ich immer in der
Seekarte fix die Uhrzeit daneben geschrieben, dann hatten wir wenigstens
etwas. Als wir den Lotsen bei Vlissingen gewechselt haben, war die Sicht
schon besser & ab Wandelaar, wo der Seelotse in ein kleines Boot umsteigt
alles ok.
Szenenwechsel: Am Silvesterabend lagen wir bekanntlich in der Naehe von Vigo
vor Anker (Cies Reede). Da lagen wir mit ein paar anderen Schiffen schoen
vor den Westwinden & der Westduenung geschuetzt & konnten Silvester feiern.
Um viertel vor Mitternacht habe ich den dritten Offizier abgeloest, damit er
feiern kann, aber dann kamen schon alle auf die Bruecke, um den Nachthimmel
ueber Vigo zu blicken & auf 2010 anzustossen. Es gab einige
Feuerwerkskoerper, die wir sehen konnten, aber insgesamt relativ wenig. Wir
selbst haben keine Raketen geschossen, unsere Seenotsignale, die man fuer
sowas ja sowieso nicht nehmen darf ;) laufen erst naechstes Jahr ab. Um halb
zwei waren dann schon alle wieder verschwunden & bis zwei hatte ich eine
sehr ruhige Ankerwache. Dann kams aber umso heftiger: Ganz ploetzlich drehte
der Wind auf Suedost & nahm zu bis auf Windstaerke 8 (in Boeen sogar bis
ueber 50 kn, d.h. Staerke 10). Wir trieben ab, sodass ich den wachhabenden
Ingenieur anwies, die Maschine zu starten & Kapitaen, Bootsmann & Chief
informierte. 10 Minuten spaeter lief sie & wir konnten uns von einem anderen
Ankerlieger, dem wir sehr nahe gekommen waren (gute 100 Meter), wieder
entfernen. Wir nahmen dann unseren Anker auf, fuhren zurueck auf unseren
Ankerliegeplatz, wozu uns mittlerweile auch die Vigo-Verkehrsueberwachung
aufgefordert hatte, und ankerten erneut. Dann aber nicht mit sechs sondern
mit acht Kettenlaengen. Ausserdem haben wir die Maschine laufen lassen.
Das war auch noetig, denn als der Kapitaen gerade 20 Minuten weg war,
trieben wir schon wieder ab, zwar langsamer aber immerhin. Es musste also
die ganze Zeit dann ganz langsam voraus gefahren werden, damit wir auf
unserer Position bleiben konnten. Unser Chief fragte schon, ob wir nicht
sofort zum naechsten Hafen fahren koennten, aber das hat unser Kaeptn mit
Hinweis auf 6-8 Meter Duenung draussen zum Glueck abgelehnt.
Vormittags liess der Wind dann nach, dann wars ein schoener Neujahrtag.

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nnnn

Donnerstag, 31. Dezember 2009

56 Vigo Reede 31.12.2009

56 Vigo Reede 31.12.2009

Abends, kurz vor sieben in Spanien. Um 12 begann unsere Ladungswache in
Vigo, aber die Hafenarbeiter starteten erst um 14 Uhr. Sie legten dann ein
atemberaubend langsames Tempo vor, d.h. die Containerkraene bewegten die
Kisten so langsam es nur ging, ausserdem blieben die schon beladenen
Lastwagen an Land manchmal einfach stehen, wodurch sie die nachfolgenden
blockierten. Das wird wohl Absicht gewesen sein, wahrscheinlich wird hier
Silvesterarbeit nach 14 Uhr besser bezahlt oder zumindest (wie in
Deutschland) steuerlich beguenstigt, so dass die zur Verfuegung stehende
Zeit bis 18 Uhr moeglichst ausgefuellt werden sollte. Zwischenzeitlich sah
es sogar so aus, dass nicht alles rechtzeitig aufzuladen waere, aber dann
erfuhren wir kurz vorher, dass 22 Container storniert worden waren. Das ist
viel. Um kurz nach sechs war dann der Lotse an Bord, den ich selbst noch auf
der Bruecke traf, die ich schnell vorbereitet hatte. Dann musste ich noch
ausnahmsweise unseren vorderen Tiefgang ueberpruefen, weil zum ersten Mal
unser Schiffscomputertiefgang zum wahren Tiefgang eine grosse Differenz hat.
Nun gerade fahren wir von Vigo in die Bucht von Cies, wo wir bis morgen
nachmittag ankern. Hier sind wir etwas vor der Atlantikduenung geschuetzt &
koennen Silvester feiern.

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nnnn

Sonntag, 27. Dezember 2009

55 Marin-Antwerpen 27.12.2009

55 Antwerpen 27.12.2009

Es ist nun kurz nach sechs, draussen ist es noch dunkel bei 4 Grad. Wir
fahren gerade in eine der Antwerpener Schleusen rein.
Unsere Fahrt hierher war ganz schoen: Die Biskaya war sehr ruhig, geradezu
wundervoll. Man kann ja auch mal Glueck mit dem Wetter haben. Andererseits
koennen wir auch sagen, dass das Wetter uns schon im Hafen einen gehoerigen
Schreck eingejagt hat: Morgens um halb sechs war da das Laden abgeschlossen,
es war windstill. Nur zwei Minuten spaeter erlebten wir dermassen starke
Sturmboeen, dass unser Schiff von der Pier weggedrueckt wurde. Die Winden
waren im Automatikmodus & gaben Stueck fuer Stueck nach. Das gibt jedesmal
ein klackendes Geraeusch & weil mir das komisch vorkam, rannte ich raus.
Unser Heck war schon soweit vom Terminal weg, dass unser Landgang (=Gangway)
beinahe ins Wasser gefallen waere. Der Chiefmate war dann auch da, wir haben
die Winden geschwind auf manuell gestellt, uns wieder an die Pier rangezogen
& ruckzuck die Winden mit sogenannten Bremsen festgestellt. Das ging sehr
schnell. Es zahlt sich also aus, wenn die Offiziere das beherrschen, was
sonst die Matrosen machen. Danach war ich auf dem Kai, um unsere Tiefgaenge
abzulesen, vorne wars ok. Achtern habe ich meinen Augen nicht getraut: Es
war da eine Wahnsinnsduenung, die Wellen waren viel groesser als ich &
schlugen heftig unter unser Heck. Zurueck auf dem Schiff konnte man das ganz
stark spueren, obwohl wir fest vertaeut waren, huepfte die Eilbek auf & ab.
Habe ich noch nie erlebt. Auf der Bruecke habe ich dann festgestellt, dass
der Wind Staerke 7 war, es gab jedoch auch Boeen der Staerke 9. Noch
eindrucksvoller war der Luftdruck: Unser Barometer zeigte genau 973,5 hPa
an, niedrigster Wert, den ich jemals abgelesen habe. Wir haben Wetterkarten
ausgedruckt, ein Tief zog ueber Nordwestspanien, das hat uns exakt
getroffen. (Eigentlich sollte es ueber Nordportugal ziehen, aber manchmal
halten sich Wettererscheinungen einfach nicht an die Vorhersagen der
Meteorologen).

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nnnn

Mittwoch, 23. Dezember 2009

54 Leixoes-Marin 23.12.2009

54 Leixoes-Marin 23.12.2009 41 14 N 008 47 W

Um 09.30 wollte ich eigentlich geweckt werden, aber der Anruf kam erst um
kurz vor elf. Somit war der Vormittag fuer Sicherheitskram verschenkt, aber
da die Stauer schon um 13 Uhr fertig waren, unser Lotse erst fuer 15 Uhr
erwartet wurde, hatte ich da eine Stunde Zeit, mit der Sicherheitsinspektion
fortzufahren, diesmal waren Farbenlast, Bootsmannswerkstatt, Deck &
Vorschiff dran.
Um zwei habe ich unserm Chief gesagt, fuer wann wir den Lotsen erwarten &
habe die Bruecke zum Losfahren vorbereitet. Ablegen & aus dem Hafen
rausfahren war dann einigermassen normal. Der 2. Ingenieur hatte vergessen,
die Stromerzeugung von Hilfsdiesel auf Wellengenerator umzustellen, aber
irgendwann war das auch erledigt & ich fuhr dann weiter mit noerdlichem
Kurs. Aergerlich waren die vielen kleinen Bojen, mit denen Fischer ihre
Netze im Wasser markieren. Die Dinger sind so klein, dass man sie erst
sieht, wenns fast schon zu spaet ist. Uns entgegen kam dann noch ein
Segelboot ohne Segel & von Backbord ein Fischkutter, der nicht fischte. Als
die Verkehrsueberwachungsstelle „Roca Control“ mich fragte, was fuer ein
Fahrzeug das bei mir waere, habe ich nicht nur den Schiffstyp genannt,
sondern auch den Namen & die Registernummer. Hoffe, dass der Kutter nun
Aerger bekommt, da er nicht den Verkehrsregeln entsprechend fuhr & uns sehr
nahe kam.
Etwas spaeter will der Kapitaen telefonieren, weil das Signal hier am
staerksten ist, kommt er auf die Bruecke. Er ruft den Agenten an, damit wir
in Vigo 40 Tonnen Frischwasser bekommen & was passiert: Der Agent teilt mit,
dass wir gar nicht nach Vigo fahren sollen, sondern nach Marin! Dass wir das
erst drei Stunden vor Ankunft erfahren ist ein starkes Stueck, geradezu
unglaublich. Besonders, da die Agenten die Geruechte ueber streikende
Hafenarbeiter in Vigo schon vorher kannten. Da haetten wir wenigstens
schonmal Routenplanung machen koennen & die entsprechende Seekarte kaufen
koennen. Die ist naemlich nicht ab Bord, warum auch? Ich habe dann in
unseren Nachschlagewerken die Kapitel von Marin rausgesucht, die Route in
der elektronischen Seekarte geaendert & auch im GPS-Geraet. So koennen wir
bis zum Marin-Lotsen fahren & dann sehen wir weiter.
Spaeter ruft dann noch ein anderer Heini vom einem Chartererbuero an, um
sich zu vergewissern, dass wir schon vom neuen Hafen wissen. Dass ich ihm
das bestaetige reicht ihm nicht, da muss extra der Kapitaen auf die Bruecke
kommen! Merkwuerdig auch, dass wir dann noch Telexe bekommen in Kopie von
einer Chartererabteilung an die andere, ob wir schon vom neuen Hafen
wuessten. Ich frage mich wirklich, was die den ganzen Tag machen. Als es
notwendig war, sowas zu pruefen, haben die gepennt & als es schon zu spaet i
st, wachen die ploetzlich auf!

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nnnn

53 Leixoes 23.12.2009

Leixoes 23.12.2009 41° 12' N 008° 41' W

Um Mitternacht kamen wir an Deck, um Dritten Offizier Emil & seine Gang bei
der Ladungswache abzuloesen. Der Niederschlag kann sich wieder nicht
entscheiden, ob er Regen oder Nieselregen sein will & bei dem Wetter oeffnen
wir Lukendeckel. Schon um 00.26 Uhr hoeren die Hafenarbeiter auf & wir
koennen wegen des Regens alle Luken wieder dicht machen. Eigentlich nix
besonderes, nur dass sich diesmal die Sicherheitsverriegelung von
Lukendeckel 16-Steuerbord verkeilt hatte. Fuer das Loesen ebendieser haben
wir eine halbe Stunde gebraucht, viel laenger als fuer das Schliessen aller
anderen Deckel zusammen.
Nun denn, es ist nun halb zwei Uhr morgens, der Ladungsumschlag wird erst um
acht fortgesetzt, also wenn Emil Wache hat. Da kann ich endlich mal
ausschlafen, also bis halb zehn. Danach werde ich weitermachen mit der
Quartalssicherheitsinspektion. Da muss alles moegliche ueberprueft werden,
ob alle Tueren richtig schliessen, ob Sicherheitsausruestung vollstaendig am
jeweils richtigen Platz ist, ob vor elektrischen Schaltkaesten antistatische
Fussmatten liegen usw usw.

Die Fahrt von Sines nach Leixoes war nicht gut. Als ich mittags auf die
Bruecke kam, fuhren wir mit noerdlichem Kurs bei westlicher Duenung &
nordwestlichem Wind, eine unangenehme Kombination. Maximale Kraengung die
ich selbst auf dem Klinometer abgelesen habe war 30 Grad, was sehr viel ist.
Alles was nicht gesichert war, Zeitschriften usw, flog hin & her. Emil hatte
z.B. zwei Becher auf die Fensterbank gestellt, die konnte ich dann spaeter
wegschmeissen & meine Kammer sah spaeter aus wie Helgoland'45. Wir koennen
froh sein, dass wir relativ viel Ladung hatten, sonst waere alles schlimmer
gewesen.

nnnn

Donnerstag, 17. Dezember 2009

52 Valencia Reede 17.12.2009

52 Valencia Reede 17.12.2009 39 24 N 000 15 W

Es ist zwanzig nach zwei morgens, wir liegen seit gestern morgen vor der
spanischen Mittelmeerkueste & warten darauf, dass wir unsere gesamte Ladung
im Hafen von Valencia loeschen koennen. Wir sind nicht die einzigen, es
ankern hier noch diverse weitere Schiffe, allein die MSC-Schiffe sind
gestern sieben Stueck gewesen.

Besonderheiten auf dieser Reise bisher: Zum einen war unser Aufenthalt in
Vigo interessant, denn zu den normalen Problemen wie kaputte bzw fremde
Drehverschluesse zwischen den Containern kam das Erschwernis, dass das
Containerterminal Computerprobleme hatte. Wir hatten keine aktualisierten
Ladeplaene, das Laden geschah mit langen Wartezeiten & einige Container
kamen sogar faelschlicherweise an Bord & mussten wieder ausgeladen werden,
bloederweise welche von denen, die unsere Besatzung schon gelascht hatte.
Beinahe waeren sogar noch Maerskboxen geladen worden.
Zum anderen war Besatzungswechsel in Portugal. In Leixoes wurden der Dritte
Offizier & ein Vollmatrose abgeloest. Die beiden neuen kenne ich schon von
der Barmbek. Der Dritte hat nun seinen ersten Einsatz als Offizier, fuer ihn
ist es eine gewaltige Umstellung nicht mehr Matrose zu sein. Letztens
mussten wir im Logbuch eine Doppelseite als groesstenteils ungueltig
markieren, da er Eintragungen bei einem falschen Tag machte. Das habe ich
noch nie gesehen & werde ich nie wieder sehen. Selbst unser Kapitaen, der
schon viel erlebt hat & selten etwas kommentiert, meinte dazu: "Verrueckt!"

Unser Praktikant Albert ist seit Cadiz mit mir auf Wache nachts & tags.
Gestern wurde es schon wieder geaendert, nun ist er nur noch nachmittags auf
der Bruecke. Aber immerhin kann er nach der Wache bei meinem Sicherheitskram
mitmachen, vorgestern war z.B. Freifallbootcheck mit Inventur & gestern
haben wir die Fluchtretter & Feuerloescher im Maschinenraum ueberprueft.

Interessant finde ich, dass wir auf der Barmbek fuer die Passage der Strasse
von Gibraltar grossen Aufwand trieben, mit bemanntem Maschinenkontrollraum,
abgestelltem Wellengenerator & Kapitaen auf der Bruecke usw. Nun mit der
Eilbek fahren wir da einfach durch, gestern morgen war ich der Glueckliche
sozusagen.

nnnn
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